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HOFFNUNGSTRÄGER 3 – Teilen „food is free laneway“

Kategorie: Teilen

Jpeg

Guerilla Gardening Wien © Esther 2015

Nachdem der letzte Post zum Themenschwerpunkt 2016 schon etwas zurück liegt, hier nun eine Idee, die mich sehr berührt hat. Gerade in der Stadt, wo man maximal mit dem Nachbar Kontakt hat, weil das Paket falsch abgegeben wurde oder weil die Studenten die Nacht zum Tag ernannt haben, wirkt die nachfolgende Initiative einfach erfrischend. Ein Austausch über den eigenen „Zaun“ hinweg, wer würde sich das nicht wünschen? Selbst auf dem Land ist der Gartenzaun oft eine Demarkationslinie. 

Wir befinden uns in Ballarat in Australien. Ballarat liegt 120 km nordwestlich von Melbourne.

Lou Ridsdale hat die „food is free laneway“ ins Leben gerufen. Es ist eine Kombination aus Guerilla Gardening, Foodsharing und Nachbarschaftshilfe.

Achtung! Hier wird Grünzeug geteilt! Pflanzen, Samen, Gemüse, Salate, Kräuter und alles was der Garten in Australien hergibt. Schaut euch das kurze Video an!

Die Macher hinter diesem Video sind selbst einen Post wert. Überzeugt euch selbst. Klick hier!

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Guerilla Gardening Berlin © Esther 2015

Dieser Post gehört zum Themenschwerpunkt des Jahres 2016. Es werden positive Beispiele aufgeführt, die unsere Zukunft auf diesem Planeten in einem freundlicheren Licht erscheinen lassen. Siehe dazu auch die vorherigen Posts zum Thema Müllvermeidung und Zero Waste. Lasst mich wissen, welche Projekte euch positiv stimmen und Hoffnung geben!

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HOFFNUNGSTRÄGER 2 – Zero Waste Beispiele

Kategorie: Müll

Im letzten Hoffnungsträger-Post stand Justin und sein Fastfood Restaurant in Chicago im Vordergrund. Heute möchte ich euch zwei Großprojekte vorstellen, die mich besonders beschäftigt haben.

Nr. 1 Kamikatsu, Japan

Ein Ort der sich einem großen Projekt verschrieben hat: Zero Waste Town!

Die ca. 2.000 Bewohner trennen ihren Müll in 34 verschiedene Kategorien. Wenn wir bedenken, dass viele bei uns schon Schwierigkeiten haben, den Papiermüll nicht in den Restmüll zu werfen, dann ist das der Olymp des Trennens. Die Bürger müssen Zuhause kompostieren, dadurch reduziert sich laut der Gemeinde auch der Anteil an verschwendetem Essen. Es gibt keine Müllabfuhr, die Einwohner bringen ihren Müll selbst zum Recyclinghof. Die Materialien werden von den Bürgern nicht nur sortiert, sondern auch gewaschen, denn das ist günstiger und umweltfreundlicher als eine Anlage zu betreiben. Japan hat, wie viele andere Länder, extreme Müllprobleme, das führt zu einem rigorosen Umbau des Abfallsystems.

Hier der Beitrag dazu:

Nr. 2 San Francisco, USA

San Francisco versucht die erste Stadt der Welt zu sein, die 100% recycelt!

Die viert größte Stadt Kaliforniens mit ca. 850.000 Einwohnern, fordert ihre Bürger und Gewerbetreibenden seit 2009 zu mehr Mülltrennung auf. Das System funktioniert ähnlich wie in Deutschland, je größer die Tonne und je häufiger die Tonne geleert wird, desto teurer wird es. Der Unterschied zu Deutschland: In San Francisco wird alles elektronisch im Müllwagen erfasst, das läuft über einen Chip in jedem Container. Die Müllmänner haben das Recht Abmahnungen oder Geldbußen auszusprechen, wenn nicht nichtig getrennt wird. Mülltüten wurden in der Stadt kurzerhand verboten. Laut der Stadtverwaltung liegt die Recycling-Quote bei 80% im Gegensatz zum Durchschnitt der amerikanischen Städte von 35%. 

Es existieren einige Filme und Beiträge über den Ansatz von San Francisco, hier ein kurzer Beitrag:

Natürlich kann sich nun jeder fragen: „Was bringt das überhaupt? Wäre es nicht besser, erst gar keinen Müll zu erzeugen?“ Ja, sicherlich! Deswegen finde ich den Begriff „Zero Waste“ manchmal ein wenig irreführend. Dennoch ist jeder Schritt wichtig! Es zeigt, dass es auch anders geht. Es sensibilisiert die Bevölkerung für die Folgen ihres Verhaltens. Bei allen Veränderungen wird Kritik und Unverständnis nicht ausbleiben, das erleben wir im Kleinen und im Großen. Das schmälert aber in keiner Weise die Leistungen, die einige bereits vollbringen. Jede Person und jede Entscheidung zählt!


Jede Medaille hat zwei Seiten, daher ein keiner Nachtrag:

In San Francisco gibt es Kritiker, wie Quentin Kopp, die Major Lee vorwerfen, dass die 80% Recycling-Rate vielleicht nicht der Wahrheit entspricht. Zusätzlich existiert ein florierender Schwarzhandel und Müll-Diebstahl in unbekannter Höhe. Ein weiterer Aspekt, der ökologische Fragen aufwirft: Die Materialien werden zu einem großen Anteil nach Asien geschifft, um dort in bunte neue Sachen für den Weltmarkt verwandelt zu werden. Ebenso werden viele Kritiker ihre persönliche Freiheit in Gefahr sehen. Wie rigoros darf / muss eine Stadtverwaltung oder die Regierung sein? Zum Beispiel sind 40% der Einwohner von Kamikatsu nicht glücklich mit dem Recycling-Aufwand.

Würden wir das Müll-Trennen so konsequent in Deutschland durchsetzen, dann würde es sicher noch mehr Menschen geben, die ihren Müll einfach in die Natur werfen. Zumal wir bei uns ganz andere Herausforderung erschaffen haben: In Deutschland werden Unmengen an Müll aus der ganzen Welt importiert, damit die Müllverbrennungsanlagen ausgenutzt sind. Rohstoffe, die für immer verloren sind.

Das alles bedeutet für mich: Weniger Konsum, weniger Müll produzieren, einfacher leben, loslösen von Kreisläufen – so gut es geht!

Und was denkt ihr nun über Auflagen, Kontrollen und Strafen für Müllsünder?

Die Alternative: Erst gar nicht so viel Müll produzieren! Dazu stelle ich euch bald ein paar interessante Ideen vor.

Minimalismus – Konsumieren

Die Feiertage sind einfach eine herrliche Zeit, um mal wieder so richtig Ordnung zu schaffen. Findest du nicht?

Ich liebe das befreiende Gefühl sich von Besitz zu trennen, Ordnung zu schaffen, weniger zu haben. Natürlich ist das ein sehr elitäres Vergnügen. Ich behaupte: Nur der Reiche, vom Überfluss gesättigte Mensch, kann im „Wenigerbesitzen“ eine Bereicherung seines Lebens empfinden. Ich vermute von den 7 Milliarden Menschen auf diesem kleinen Planeten möchten 95% reicher sein, mehr Komfort, mehr Luxus, mehr Lebensqualität, mehr Gesundheit, mehr Chancen, mehr Teilhabe am „American Way of Life“.

In den Medien gibt es nur eine Botschaft: Konsumieren! Mehr Lebensqualität durch unzählige Produkte, schönere Haare mit X-Shampoos, jede Saison das trendigste Outfit, ein neues Handy mit noch mehr Funktionen, ein schnelleres und zugleich ökologischeres Auto (so breit, dass es nicht mehr durch die engen Gassen passt, mit Allrad, weil das in der Stadt und auf der Autobahn – besonders im Stau – ganz wichtig ist) mehr, schneller, besser, billiger, geschmackvoller, gesünder, geiler…

An der Anzahl der Bücher im Schrank erkennt man die Belesenheit des Besitzers – oder nicht? Ich hielt heute einen Wollstoff in der Hand. Den besitze ich schon seit fast 20 Jahren und in all der Zeit ist mir nichts eingefallen, was ich daraus hätte nähen wollen. Ich besitze (jetzt besaß :)) Geschirr, Bücher, CD’s, DVD’s, Klamotten, die ich noch nie benutzt, gelesen, angeschaut oder getragen habe. All diese Dinge machen mein Leben ja so viel bequemer – reicher – schöner!? Denn – wenn ich wollte, dann könnte ich mir eine DVD ansehen. Meistens bin ich vom Arbeiten für diesen Reichtum so müde, dass ich keine Energie habe eine neue DVD anzuschauen. Ist uns die Verfügbarkeit so viel wert? Was sagt mir das als Konsument, als verantwortungsvoller und nachdenklicher Mensch?

Schlaue Studien besagen, dass wir durch einem bestimmten Wohlstand, der über die Grundbedürfnisse geht, einen Zuwachs an Lebensqualität empfinden. Über diesen Punkt hinaus, bringt der exzessive Konsum und das Mehren von Besitz keine Verbesserung. Ich habe das Gefühl, wir alle haben vielleicht verlernt, wo dieser Punkt liegt. Jeder von uns hat eine andere Geschichte und abweichende Bedürfnisse. Somit müssen wir alle selbst entscheiden, wir viel den eigentlich genug ist und wie viel dann schnell zu viel ist.

Vielleicht sollten wir das Paretoprinzip – besser bekannt als 80 – zu 20 Regel auch auf unseren Konsum anwenden. Das könnte bedeuten, dass wir mit 20% unseres Kaufvolumens eine 80%-ige Sättigung erreichen. Für die verbleibenden 20% müssten wir hingegen 80% mehr an Arbeitskraft, an Geldwerten, an Verschmutzung, an Ressourcen, an Masse in Kauf nehmen.

Hört sich alles zu theoretisch an? Wie geht es dir damit? Ich freue mich über einen regen Austausch!