Archiv der Kategorie: Minimalismus

Update: die leere weiße Wand

DSC_1065

Ich hatte bereits unsere Bemühungen um weniger Besitz und mehr Freiheit hier und hier angedeutet. Heute hat das Küchenregal endlich ein neues Zuhause gefunden. Herrlich, und 20 Euro habe ich auch noch verdient. Dafür strahlt uns nun eine leere Wand an. Die neuen Besitzer möchten das Regal nutzen, um im Kinderzimmer mehr Ordnung zu schaffen. Eine Win-Win Situation würde ich sagen. Meine Freundin Franzi wird mich sicherlich darauf hinweisen, dass es schon langsam ungemütlich leer wird. Sorry Franzi, da musst du durch! ;)

In unserem Wohnviertel war heute Flohmarkt. Verrückt, was die Leute alles vor die Tür stellen können. Ganze Tische mit Porzellan, Gläsern, Klamotten, Büchern, Spielzeug und Tand reiht sich teilweise meterweit aneinander. Alleine beim Anblick bekomme ich mittlerweile Beklemmungen. Irgendwie tun mir die Menschen auch leid. So viel Zeug muss gekauft, sortiert, gepflegt, gelesen, getragen, gewaschen, gelagert, entsorgt… werden. Interessant wie sich der Blick auf die Dinge ändern kann. Die Zeiten in denen ich gerne eingekauft habe sind weiterhin in meinem Gedächtnis.

Die freie Wand ist nicht nur wesentlich entspannender, sondern sie bietet nun so viel mehr Möglichkeiten zum Beispiel für Yoga-Übungen und Handstand. Wir vergessen zu oft die wichtigsten Sachen im Leben. Für mich ist das neben der Zeit, die Gesundheit und erst dann kommt alles andere. Ohne Zeit und Gesundheit können wir keinem Menschen etwas geben, uns weder um die Menschen, uns selbst oder Vorhaben kümmern, die uns wichtig sind. Was ist das Wichtigste für euch?

Wenn ich in der Arbeitsmühle drin hänge und das Rad sich immer schneller dreht und ich doch nicht hinter her komme, dann vergesse ich doch zu leicht, wie schnell sich alles – und damit meine ich wirklich alles – um uns und in uns ändern kann. Erinnert euch an die letzten Zahnschmerzen, die Magenkrämpfe oder die letzte Erkältung, wie froh ist man, wenn das wieder hinter einem liegt und nicht jede Sekunde bestimmt. Ich habe selbst Menschen in meinem engen Familien- und Freundeskreis, die für jeden schmerzfreien Tag dankbar sind.

Warum frage ich mich, schaffen wir es zum Beispiel nicht unsere Rückenübungen regelmäßig zu machen? Etwas nicht zu essen/trinken, von dem wir wissen es ist nicht gut für uns? Sind wir einfach schwach oder vergessen wir so schnell?

OK, ich bin von meinem eigentlichen Thema ganz schön weit entfernt. Da fängt man einen Beitrag mit einem spezifischen Thema an und endet im Themenwald. ;)

So, noch ein Wort zum Samstag:

Wie wäre es, wenn wir jeden Morgen mit Dankbarkeit und Freude beginnen? Das wäre ein erster Schritt. Auch für mich.

Weniger konsumieren, besitzen und dafür mehr leben, fühlen und sein! In diesem Sinne, uns allen ein sonniges entspanntes Wochenende, an dem wir lernen mehr Zweck sein zu können.

Advertisements

Minimalismus: Mehr ist einfach zu viel

Ist es nicht schön, wenn die Arbeit langsam Früchte trägt?

Der Weg zu weniger Besitz, geht nicht über Nacht. Wahrscheinlich ginge es schon, es wäre allerdings in meinen Augen nicht nachhaltig noch sinnvoll. Minimalismus ist für mich kein Stilmittel, sondern vielmehr eine logische Konsequenz auf dem Weg zu einer ökologischeren und leichteren Lebensweise. Ähnlich wie der Verzicht auf Fleisch oder Plastikverpackungen ist der Prozess jedoch vielleicht am Besten als wellenförmig zu beschreiben. :)

Kennt ihr den Hang Dinge und Sachen retten zu müssen? Viele Sachen habe ich geerbt oder bei Haushaltsauflösungen von Freunden mitgenommen. Ich liebe altes  „Zeug“ mit Charakter und Geschichte. Oft kann ich das nicht ertragen, dass Sachen, die noch vollkommen funktionsfähig sind ausgetauscht werden. So enden immer wieder gebrauchte Möbel, Porzellan, Lampen, Rahmen … in unserem Haushalt.

DSC_0406

2014: Von allem zu viel

Zu viel ist allerdings zu viel! Wie geht es euch? Müsst ihr 4 Schüsseln aus dem Schrank nehmen um an die Sachen dahinter zu gelangen? Ich finde das mühsam. Da unsere Wohnung recht wenig Stauraum bietet, kam alles in ein offenes Regal. Offenes Regal heißt mehr Unruhe und mehr Arbeit. Wir haben natürlich auch über eine Schiebetür nachgedacht. Doch die Idee mehr zu kaufen, um dann den Besitz nicht mehr sehen zu müssen, hat eine Veränderung bewirkt. Brauchen wir wirklich so viele Gläser? Wenn Gäste kommen vielleicht. Allerdings wie oft ladet ihr 50 Gäste ein?

Aussortieren fällt einfach, wenn klar ist was nutze ich überhaupt. Was benötige ich oft und was nur gelegentlich? Wir konnten fast alle Sachen an Menschen verschenken, die zu wenig haben. Erbstücke, von denen ich mich emotional nur schwer trennen konnte, gingen an andere Familienmitglieder oder enge Freunde. Somit bleibt es auch Teil meines Lebens, nur dass ich es nun nicht mehr abstauben muss und andere es wirklich nutzen können. Das ist viel ökonomischer und ökologischer. So macht Loslassen Freude und gibt Raum für Ideen, Zeit fürs Schreiben von Beiträgen und Platz fürs Atmen.

DSC_0942_1

März 2016: Das Regal wartet auf einen neuen Besitzer

Das leere Regal wirkt nun wie ein Gerippe – ein Mahnmal für den Besitz, der viel Lebenszeit und Raum raubt. :)

DIY Haarshampoo und Deo aus Natron

DSC_0840_1

Kaiser Natron

Natron der Alleskönner

Natron wird schon seit dem frühen Altertum verwendet. Die alten Ägypter gewannen Natron aus den Seen des Tales Natron. In Europa wird Natron heute aus Kochsalz hergestellt. Dabei wird Chlor gegen Karbonat ausgetauscht. Hier könnt ihr noch mehr erfahren.

DSC_0844_1

Natron-Shampoo

Nachdem ich nun ein paar Monate mit Haarseifen, Roggenmehl und mit reinem Bürsten experimentiert habe, bin ich auf Natron als Shampoo gestoßen. Ich kann euch sagen, probiert es bitte aus! Sicherlich gibt es unterschiedliche Geschmäcker, Vorlieben und Ansprüche, was die Haarpflege betrifft. Für mich als Person mit langem feinem Haar, mit Tendenz zu leicht fettiger Kopfhaut und trockenen Spitzen ist das Shampoo aus Natron wunderbar.

Die Herstellung des Natron-Haarshampoo

Eine Menge Natron in ein Gefäß geben, mit kochendem Wasser auffüllen, schütteln, fertig. Das überschüssige Natron, welches das gesättigte Wasser nicht mehr aufnehmen kann, setzt sich am Boden ab. Einfach beim nächsten Aufgießen mit heißem Wasser weniger Natron dazugeben.

Wer eine genaue Anleitung braucht, der sollte das mal ausprobieren:

  • 150ml Wasser kochen, optimal 2 Minuten lang kochen lassen
  • 1 Teelöffel (5 g) Natron / Natriumhydrogencarbonat in ein Gefäß geben
  • Wasser dazugeben
  • Schäumen abwarten (ca. 3 Sekunden), dann evtl. umrühren mit Glas-oder Holz-Löffel

Die Anwendung

Die abgekühlte Mischung auf das nasse Haar geben und besonders den Ansatz damit einmassieren. Vergleichbar wie die Verwendung von herkömmlichem Shampoo. Die Dosierung ist vielleicht am Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, da die wässrige Konsistenz des Natron-Haarshampoo ungewohnt ist.

Natrondeo

Die gleiche Mischung verwende ich auch als Deo. Das funktioniert hervorragend. Nachdem ich selbst die sensitiven natürlichen Deos nicht mehr vertrage und von allen Produkten früher oder später einen Ausschlag bekomme, ist Natrondeo eine echte Alternative. Ein positiver Nebeneffekt der veganen Ernährung ist die Tatsache, dass ich einfach nicht mehr so stark schwitze bzw. rieche. Das ist jetzt kein so leckeres Thema, dennoch wichtig, denn ich bin jeden Tag aktiv, unter Menschen, beim Sport oder in der Arbeit. Ich will ja nicht, dass meine Umgebung unter meinem „Ökofimmel“ leiden muss. :)

Allerdings ist bei aller Begeisterung für ein einfaches, günstiges und plastikfreies Produkt ein Beigeschmack enthalten, denn ohne Schadstoffe kann Natron auch nicht erzeugt werden.

Vielleicht habt ihr noch eine bessere Alternative? Wie geht es euch mit Natron als Hausmittel? Ich verwende Natron sowohl in der Küche als auch in der selbstgemachten Zahncreme. Ich freue mich über Ideen und Erfahrungsberichte!

Kleiderschrank entschlacken

Jpeg

Frohes Entschlacken!

Heute lag eine Werbung im Treppenhaus aus. Ein Katalog für Bekleidung. Das Schöne daran, ich empfinde keine Notwendigkeit etwas kaufen zu müssen. Sicherlich war das mal anders. Ich bin eine Frau, ich hatte mindestens 30 Paar Schuhe und einen Gürtel in jeder Farbe. Seitdem ich leichter leben möchte, ist das alles Schnee von gestern. Ich werde also weder im Netz nach passenden Sachen schauen, noch meinen heiligen Samstag in der Innenstadt zum Shoppen verbraten müssen, sondern lieber wandern, lernen oder lesen.

Meine gesamte Kleidung habe ich inzwischen um 3/4 reduziert. Ich besitze lediglich Kleidung, die ich mag, kombinieren kann, die mir passt und die verschiedene Zwecke erfüllt. Es ist so viel zeitsparender und weniger frustrierend, wenn alles passt und ich mich in der zweiten Haut wohl fühle. Zudem entfallen die morgendlichen Kämpfe und Verzweiflungen vor dem Kleiderschrank. Es entspannt ungemein, weniger und dafür das Richtige zu besitzen. Davon abgesehen, konnte ich einen Schrank abbauen und habe nun mehr Platz, mehr Ordnung, mehr Ruhe.

Wie bin ich von einer ganzen Batterie zu drei Fächern gewechselt? Das war natürlich ein Prozess, den ich euch hier in drei Schritten zusammenstellen möchte:

Bestandsaufnahme

  • Was besitze ich aktuell?
  • Für welche unterschiedlichen Zwecke benötige ich Kleidung (Arbeit, Sport, Kundentermin, Feste, Tanzen, Gartenarbeit…)?
  • Welche Kleidung habe ich noch ungenutzt oder verpackt im Schrank liegen?
  • Gibt es Sachen, die nicht mehr passen (zu klein, groß, kurz, lang …)?
  • Was ziehe ich wirklich gerne und regelmäßig an?

Grüppchenbildung

  • A – Lieblingsstücke: Sachen, die ich liebe, gerne trage, in denen ich mich wohl fühle und die mir passen.
  • B – Funktionskleidung: Wie Badesachen, Sporthosen, Wanderhosen, Tanzkleidung, vorausgesetzt, die Kleidung passt und vor allem wird noch aktiv verwendet. Ein Karateoutfit aus der Jugend zählt nicht mehr dazu. Das ist ein Relikt und gehört in Gruppe C.
  • C – Reste Rampe: Hier sammelt sich Kleidung, die ich noch nie getragen habe. Sachen, in denen ich mich nicht ganz wohl fühle, weil sie aus der Mode sind oder nicht mehr passen. Vielleicht klemmt auch nur der Reißverschluss?!
  • D – Spezialoutfits: Für besondere Anlässe, Hochzeiten, Trauerfeiern etc.
  • E: Arbeitskleidung: In manchen Fällen kommt noch spezielle Arbeitskleidung hinzu. Oder Kleidung, die dreckig werden kann, wie Hosen für die Gartenarbeit oder ein Kittel für das Einkochen von Tomaten.

Unterwäsche führe ich nicht extra auf, für die sind die Kategorien A bis E ebenso ausschlaggebend.

Restart

  • Alle Kleider aus Kategorie A (hier bitte ehrlich/ realistisch sein) räume ich wieder in den Schrank ein.
  • Die Funktionskleidung und die Arbeitskleidung, die ich wirklich weiterhin verwenden werde, die bekommt einen extra Platz und wird wieder in den Schrank sortiert.
  • Die Spezialoutfits: festliche Kleidung, schwarzer Anzug, Kleid aus den 20ern, probiere an, passt es, fühle ich mich wohl, werde ich das beim nächsten Anlass tragen, oder doch wieder die „casual“ Variante wählen, da das alles eigentlich zu festlich ist? Hier hilft manchmal auch eine zweite Meinung von der besseren Hälfte. :) Alle festlichen Kleider, die ich wirklich noch tragen werde, sortiere ich wieder ein. Die anderen teile ich auf in Verschenken, Verkaufen, Recyceln. 
  • Nun kommt der anstrengende Part. Kleidung die eigentlich gut ist, allerdings nicht mehr richtig passt, aus der Mode ist, noch nie getragen wurde (aus welchem Grund?) oder in der ich mich unwohl fühle, sehe ich mir genauer an:
  1. Gibt es Sachen, die ich wirklich nicht mehr anziehen werde und die nur im Schrank sind, weil sie mich an früher erinnern, oder weil ich denke, das kann ich noch mal anziehen? Diese Kleidung kommt in einen Sack (Kiste/ Koffer) und den verstaue ich für ca. 2 Monate bis ein Jahr an einem Ort, wo er mich nicht stören wird. Nach der gesetzten Zeit schaue ich die Sachen noch mal durch, alles was ich so lange nicht gebraucht oder vermisst habe, ist vielleicht bereit ein neues Zuhause zu finden?
  2. Die Kleidung, die eigentlich noch total gut ist, aber irgendwie nicht so richtig bequem, die ziehe ich in den kommenden Wochen an. Jeden Tag ein anderes Teil. Probetragen nenne ich das. Jetzt kann ich täglich entscheiden, ob das jeweilige Outfit wieder in den Schrank gehört, denn es ist viel angenehmer als ich dachte, oder sollte es geändert werden, denn es zwickt hier und da. Vielleicht hilft auch das Ändern nichts? Dann kommt es auf den Verschenken, Verkaufen oder Recycling Stapel.DSC_0627

Dieses Prozedere habe ich mehrmals durchlaufen. Das Ganze funktioniert auch sehr gut mit Schuhen. Bei allem Wunsch nach weniger Besitz, ist es mir wichtig, dass ich nichts einfach entsorge, weil ich im Rausch bin und nur weniger besitzen möchte. Es muss vielmehr passen. Ausschlaggebend sind für mich Faktoren wie Stoffqualität und Zusammensetzung: Ist es ein synthetischer Stoff, Tierprodukt oder Naturfaser? Dabei sollte immer bedacht werden: Synthetische Stoffe verlieren ca. 2000 Fasern pro Waschgang. Sicherlich habe ich auch das Recycling im Auge. Dennoch versuche ich alle Sachen, die noch gut oder neu sind, zu verkaufen, verschenken, spenden oder zu tauschen. Denn die oberste Priorität ist bei allem Loslassen und Entmüllen, den Sachen ein neues Zuhause zu schenken, im schlechtesten Fall werden sie recycelt oder zur Not auch fachgerecht entsorgt.

Manchmal sind die Kleider emotional besetzt, dann kann ich mich wirklich schwer trennen, obwohl ich weiß, dass ich dieses Kleid oder jene Hose nie wieder tragen werde. Mir hilft, die Sachen an eine Person zu geben, von der ich weiß, sie kann zum Beispiel das selbst genähte Kleid schätzen oder wirklich brauchen.

Ich bin mir bewusst, dass es viel weniger Zeit und Raum in Anspruch nimmt, wenn wir die Dinge einfach in den Hausmüll werfen. Doch das kann und will ich unter allen Umständen verhindern und ich hoffe ihr auch!?

Und nun wohin damit: Freunde, Verwandte, Flohmärkte, Hofmärkte, Secondhand-Läden, Kleinanzeigen, Fundus, filmschaffende Freunde, Sozialkaufhäuser, Soziale Einrichtungen, Tauschbörsen, Tauschabende anbieten, Umsonstläden, Stadtverwaltung, Kirchen, Spendenaufrufe beachten, Obdachlose, beim Änderungsschneider oder kleinen Ateliers anfragen und erst ganz zum Schluss Kleidercontainer (Aber bitte immer nur solche von offiziellen Einrichtungen! Es gibt viele illegale Kleidercontainer, diese Sachen werden zum Beispiel nach Afrika geschickt und machen dort den Markt kaputt. Ein Containerinhalt ist ca. 200 Euro wert!)

Qual der Wahl – Ein Erste-Welt-Problem?

Wie kann ich entscheiden, was mir wirklich wichtig ist? Wie finde ich heraus was ich brauche? Und wenn ich das weiß, wie geht es dann weiter?

Jeder von uns geht seinen eigenen Weg – in seinem Tempo. Heute geht es mir mal wieder zu schnell und gleichzeitig viel zu langsam. Seid ihr schon angekommen? Dort wo ihr wirklich sein wollt? Ich habe gelernt: Es soll sich weit und leicht anfühlen. Das mit dem Fühlen ist viel schwieriger als alles andere. Kein Wunder, dass wir uns mit Arbeit und Konsum betäuben. In meiner Selbstständigkeit habe ich es geschafft mehrer Jahre durchzuarbeiten. Irgendwie war ich auch noch stolz darauf. Denn es entspricht dem protestantischen Ideal, ein kleines Stehaufmännchen, ein Workaholic. Leider ist das mit den Gefühlen wie beim Radfahren, es muss irgendwann mal gelernt werden. Mit dem Alter wird das nicht leichter und im Straßenverkehr stellt der Ungeübte schnell eine Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer dar – ach ja, und für sich selbst natürlich auch.

Was ich noch gelernt habe: Enge oder Druck zu fühlen, ist nicht so gut – also zurück zur Leichtigkeit der Weite. Vielleicht hilft es sein Leben zu entmüllen, weniger zu besitzen und mehr Freiräume zu schaffen? All das geht viel leichter als viele Menschen denken. Konsumdiät mach ich im Schlaf. Minimalismus, ein guter Anfang und was dann? Versteckt sich dahinter mehr, vielleicht ein tieferliegender Wunsch, eine Hoffnung?

Der Schritt ins Unbekannte ist schwierig. Die Alternative missmutig die Arbeitsstunden zu ertragen, das fällt so vielen leichter, als diesen riesigen ersten Schritt zu wagen. Es gibt so viel vernünftige Gründe, die gegen das Ausbrechen sprechen, die Angst machen und zudem macht der Job eigentlich Spaß. Vielleicht ist es nicht das richtige Aufgabengebiet, aber die Kollegen sind echt nett und die Bezahlung, die monatlich einfach so auf dem Konto landet, die lässt einen beruhigt einschlafen.

Und jedesmal, wenn ich über diese Erste-Welt-Probleme nachdenke, komme ich mir undankbar und furchtbar privilegiert vor. Ist es nicht verrückt, wir beschäftigen uns mit unserer Selbstfindung und andere mit ihrem blanken Überleben? Ich bin da immer wieder eingeschüchtert, wie wichtig ich mich selbst überhaupt nehmen darf. Ist meine Selbstfindung mehr oder weniger Wert als der Ruf nach Hilfe und Teilhabe anderer Menschen? Schließt das eine das andere vielleicht aus?

Sich in einem Leben zu befinden, dass alles hat, nachdem alle sich vermeintlich sehnen – das kann einem zu viel sein? Das ist doch krank! Das muss sicherlich an der Kindheit liegen. Es liegt doch immer an der Kindheit. Oder nicht?

Und so gehen die Jahre ins Land. Eigentlich ist alles gut. Meistens bleibt, neben der Vielzahl an Tätigkeiten, Interessen und Engagement, nichts so viel Zeit sich dem Fühlen zu widmen. Erst wenn wir Erfahrungsberichte von Menschen lesen, die ausgebrochen sind, um ihr neues Glück zu finden, atmen wir tief durch und lauschen, ob sich in uns etwas regt. Leute, die den Traum vom erfolgreichen Leben verwirklicht hatten und damit vollkommen unglücklich waren, fanden in der Einfachheit, im Loslassen, der Natur oder im gesellschaftlichen Engagement ihre wirkliche Berufung. Diese Menschen würden sicherlich kein Deckblatt in einem Hochglanzmagazin für Kapitalanleger oder Fashionqueens schmücken, dennoch ist ihr Leuchten in den Augen klarer als das von Dagobert Duck.

Samstag: Wenn die Einkäufe verstaut, die Wohnung geputzt, die Wäsche gewaschen, die Interessen gepflegt und die Kids beschäftigt sind, dann könnten wir vielleicht das mit den Gefühlen üben. In diesem Sinne ein schönes Wochenende!

Siehe auch: br.de/radio/bayern2

Minimalismus – Link

Heute bin ich auf einen kurzweiligen Artikel zum Thema Minimalismus gestoßen

ein-neuer-lebensstil-erwaechst-der-minimalismus

Die vorgestellten Geschichten zeigen sehr gut, wie Menschen sich den Minimalismus nach Gusto gestalten.

Es gibt keine allgemein gültige Definition von Minimalismus. Der Duden definiert M. als „bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste“.

Was jeder von uns als das Nötigste empfindet, das ist sicherlich sehr unterschiedlich.

Zudem ist es ein Prozess, im Laufe der Lebensjahre verändern sich Ansprüche, Ziele, Gewohnheiten und somit auch das „Nötigste“.

 

Maximal Leben – minimal Konsumieren

Erhöhtes Gesprächsaufkommen

In letzter Zeit mehren sich die angeregten Unterhaltungen über Minimalismus. Vielleicht geht es euch ähnlich?

Das Verlassen eingespielter Wege und normativ festgelegter Verhaltensmuster führt unweigerlich zu mehr „Gesprächsaufkommen“. Im besten Fall interessiert sich das Umfeld für deine Verwandlung oder deine Ideen, im schlechten Fall wirst du einfach als Spinner in einer schwierigen Phase abgestempelt.

Müsst ihr euch auch so oft erklären?

Erklären warum ihr kein Fleisch oder keinen Käse probieren möchtet, erläutern warum die Wohnung so leer ist, rechtfertigen warum ihr keine Geschenke erhalten möchtet oder selbst verschenkt, darlegen was Konsumverzicht mit Glück zu tun haben soll, erläutern warum du für deinen Besitz ein neues Zuhause suchst …

Warum muss ich mich erklären, wenn ich nicht konsumiere?

Schön ist die Stille nach einem „nichts“, auf die Frage „was hast du so an Weihnachtsgeschenken erhalten?“

Beim Minimalismus geht es doch nicht um die Anzahl der Teile, die wir besitzen. So wie es bei Bio-Lebensmitteln nicht nur um den gesundheitlichen Aspekt geht. Ich bin mir auch sicher, dass viele Menschen im Grunde die Idee dahinter verstehen. Wir können nicht einen Faktor herauslösen und nur diesen betrachten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die einzelnen Aspekte unseres Leben bedingen. Wobei natürlich der eigene Schwerpunkt oder die individuelle Perspektive entscheidend ist. Sicherlich gibt es Menschen, die nur vegan leben, weil sie gelesen haben, dass damit einige Gewicht verloren haben. Oder du kaufst im Supermarkt in Plastik verpacktes Biogemüse aus Übersee, denn du möchtest dich gesund ernähren. Glaubt ihr nicht auch daran, dass sich das alles ändern wird, ändern muss, denn wir werden unweigerlich dazu gezwungen? (Zu viele Utopien gesehen?)

Eine Hinwendung zu mehr Einfachheit, Entschleunigung, Bewusstsein, ökologischerem Leben führt über das Hinterfragen der eigenen Person zum Entrümpeln, Aussortieren und Loslassen.

Es gibt wirklich die Möglichkeit, ohne ein randvoll gefülltes Haus, Cola, Nutella, MC Einheitsessen, Südseezauber, Fernseher und Überfluss glücklich zu sein. Viele Menschen haben aber sicherlich noch nicht begriffen, dass nicht das Einkaufen vom 18. Paar Schuhe und das neueste tragbare Telefon ihr Leben ausmacht. Wie elitär werdet ihr sicher denken, ich schreibe auch am Laptop, nicht mit Morsezeichen. Richtig, ich bin Nutznießerin aller technischen Neuheiten und ich entscheide mich willentlich etwas nicht zu konsumieren. Das ist anders als etwas nicht zu haben, weil es außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt. Ganze Nationen verändern ihr nachhaltiges oder für uns rückständiges Leben, um genau danach zu streben, was wir hier Wohlstand nennen. Konsumieren bis der Arzt kommt.

Konsumdiät?

Nein, mir fällt es tatsächlich einfacher nicht zu konsumieren. Bei jedem Teil, das ein neues Zuhause findet, freue ich mich wie ein Kind. Leere birgt Raum für Ideen. Der Geist kann sich ausruhen – ohne Ablenkung. Es macht mich definitiv glücklich weniger zu besitzen. Wohin das noch führen mag ist offen. Ich sehe es als Prozess und bin neugierig wohin die Reise geht.

Gedanken, die mir bei diesem Prozess helfen:

  • Sind meine Ziele noch immer die gleichen?
  • Wo sehe ich Potential für mich?
  • Bin ich zufrieden mit mir und meiner Leistung für mich, die Familie, die Arbeit, die Gesellschaft, die Umwelt?
  • Was möchte ich hinterlassen, wenn ich nicht mehr hier bin?
  • Möchte ich Verantwortung übernehmen?
  • Sehe ich einen Sinn in meinem Handeln?
  • Was ist mir der westlich-moderne Lebensstile wert und was opfere ich dafür?
  • Kann ich mich persönlich noch weiterentwickeln und was kostet mich das?
  • Gibt es ein tiefes Bedürfnis in mir (nicht Konsumbedürfnisse, die unsere Gesellschaft pflanzt!) etwas für das ich mich begeistern kann und für das ich gerne aufstehe?
  • Ist mir mein Image wichtiger als meine Zufriedenheit?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr eure Fragen anders formuliert. Es freut mich, wenn ihr euch auf einen Gedankenaustausch einlassen möchtet. Auch wenn ich sehr gerne alleine in meinem Kämmerchen vor mich hin brüte, die aktuellen Themen und Herausforderungen werden sich sicher nur in der Gemeinschaft in der Kommunikation und dem konstruktiven Miteinander lösen lassen. In diesem Sinne, frohes Loslassen!