Alternative Verpackung: So schön könnte es sein

Milch anstatt Plastik

Das hört sich vielleicht im ersten Moment gut an, schmeckt allerdings im Nachgang ganz schön bitter. Also wird zukünftig die Milch aus der Massentierhaltung zu Verpackungsmaterial? Wir würden Unmengen an Plastikverpackung einsparen. Das ist eine schöne Nachricht. Die Industrie muss die Produktion nicht verändern, der Konsument kann seine gewohnten Verhaltens- und Wegwerfmuster beibehalten. Eine Win-win Situation könnte man meinen. Bei mehr als 8 Millionen Tonnen Plastikmüll die geschätzt jährlich im Mehr landen sind wir um jede Entdeckung froh. Stimmt das wirklich?

„Vor allem muss das Produkt auch günstig sein, damit es kommerziell mithalten kann.“

Das bedeutet es wird weiterhin Milch auf die grausame Art produziert. Nur kommt sie dann nicht mehr auf den Teller, oder direkt in den Gulli, sondern macht den Umweg in die Verpackung. Ich kann einfach nicht verstehen, warum wir das Rad immer neu erfinden müssen, nur damit alle diesen amerikanisch – postmodernen Lebensstandard halten oder entwickeln? Unsere schnelllebige ignorante Wegwerf-Bestell-Bequemlichkeitsgesellschaft macht mich wütend und traurig. Die essbare Verpackung muss dann aus hygienischen Gründen wieder in eine Plastik- oder Alu- oder Kartonumverpackung! Das Kommt dann in einen großen Karton. Die großen Kartons werden zum Transport auf Paletten rundum mit Plastikfolie geschützt. Ich finde, da haben wir doch extrem viel Verpackungsmaterial gespart.

Das erinnert mich an den Biokraftstoff. Ein toller Grundgedanke. In letzter Zeit mal über Land gefahren? An einem so schönen sonnigen Tag wie heute macht es extrem viel Freude. Auf der Zugfahrt von Nord- nach Süddeutschland habe ich mir den Spaß erlaubt, bei jedem sichtbaren Genmaisfeld „Genmais“ zu sagen. Die Mitreisen dachten ich sei aus einer Anstalt ausgebrochen. Natürlich benötigen wir alternative regenerative Ideen und Umsetzungen. Doch wenn alle einfach weiterhin so wirtschaften wie bisher, nur dass sie anstatt mit einem alten Auto mit einem schadstoffarmen SUV fahren und anstatt unbeschwert wie in den 80ern nun mit schlechtem Gewissen die xte Fug- oder Geschäftsreise antreten, dann werden wir sicherlich bald mehr Energiepflanzen anbauen müssen und noch mehr Milch produzieren, um weniger Verpackungsmüll zu erzeugen. Die Grundnahrungsmittel lassen wir aus ländlichen rückständigen Gegenden in Fernost oder Übersee einfliegen. Da gelten nicht unsere Umweltauflagen, Arbeitsbedingungen etc. – das macht es so günstig. Das schlimme ist: Wir sind unglaublich gut informiert und handeln dennoch nicht „enkeltauglich“. Infos zu den Folgen von extensivem Genmaisanbau findet ihr z.B. hier.

Auch der Gedanke hinter foodsharing ist prima. Unmengen an engagierten Menschen spenden ihre Zeit und Energie, um Lebensmittel zu retten. Allerdings frage ich mich – wie so oft – warum können wir Bürger nicht einsehen, dass es eine Stunde vor Ladenschluss nicht noch 55 unterschiedliche – vor allem frische – Backwaren zur Auswahl geben muss? Warum investieren tausend helfende Hände die Zeit, damit die Firmen weiterhin ihre eingefahrenen Strukturen aufrechterhalten und weiterhin zu viel produzieren? Diese Ketten können damit werben, dass sie bis zum Ladenschluss die Theke voll haben. Am Ende müssen sie sich nicht mal um die Entsorgung kümmern, denn dafür stehen die fleißigen Freiwilligen ja gleich bereit und arbeiten diskret, kompetent und zuverlässig. Und jeder Betrieb, der eine Kooperation mit foodsharing eingeht erhält einen grünen Anstrich.

Sicherlich wird auch nicht die Milch aus der Überproduktion in einer Verpackung landen, sondern dafür wird sich in Windeseile ein neuer Markt kreieren, der Profit und Greenwasching verbindet. Nico Paech würde das als Verschlimmbesserung bezeichnen.

Den Artikel der Süddeutschen über das sogenannte BIO-PLASTIK findest du hier.

Macht euch das auch so sprachlos wie mich? 25 Cent erhält der Bauer für einen Liter keimfreie sauber abgelieferte Milch. Und da fragen wir uns, warum es nur noch Massentierhaltungen gibt.

Ich glaube unser einziger Weg ist die Reduktion und Verhaltensänderung. Auf welcher Stufe der Maslowschen Bedürfnispyramide siehst du dich?

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6 Gedanken zu „Alternative Verpackung: So schön könnte es sein

  1. Tabea

    Die Idee, Lebensmittel als Verpackung zu verwenden, finde ich grausam! Damit sollte lieber die hungernde Bevölkerung versorgt werden. Und die Verpackung kann man ja oft vielleicht einfach weg lassen (Obst, Gemüse) oder eben durch Mehrweg-Verpackung (Gläser für Milch, Joghurt,..) ersetzen. Und diese Verpackung für die Verpackung der Verpackung finde ich sowieso seit Jahren schon bescheuert… da bin ich froh, dass mein Zeug meist nur in einer Verpackung kommt, seit ich möglichst wenig verarbeitetes kaufe.

    Dass unsere Lebensmittel billig importiert werden, während wir unsere Flächen für Biogas und sowas verschwenden, finde ich auch ärgerlich. Und dann gibt es ja immer noch Menschen, die über die Lebensmittelpreise jammern… HALLO,GEHTS NOCH?! Ich würde gern das Doppelte zahlen, wenn ich dafür vernünftiges Essen aus Deutschland bekomme. Dann fahre ich liebe nicht weit weg in den Urlaub und kaufe eben nur ein Duschgel statt 20 Duschgels, 10 Cremes, 3 Wimperntuschen, 40 Lidschatten und 7 Nagellacke im Monat. Wir sollten einfach alle mehr wert auf faire Ernährung, die sich mit der Umwelt verträgt, legen…

    Und ja, all das schockiert mich so sehr wie dich auch! Jetzt wüsste ich nur gern, wie ich als kleiner Student dazu beitragen kann, solche Probleme aus der Welt zu schaffen – abgesehen davon, Bio-Produkte zu kaufen & keine Fertiggerichte zu essen, sowie immer was eigenes in der Dose mitzubringen, statt „Zum Mitnehmen“ bestellen zu müssen.

    Liebe Grüße

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    1. Esther Autor

      Hallo Tabea,
      danke für deine Worte. Deine Frage ist mir bekannt. Damit beschäftige ich mich seit Jahren. Ich hoffe auf die positive Wirkung von beispielhaftem Verhalten, konstruktivem kritischen Hinterfragen, dem Anregen von Diskussionen, der Unterstützung von guten Projekten, dem Verbinden mit Gleichgesinnten und umsetzen von alternativen Ideen. Sicherlich hat auch die Studienfachwahl einen Einfluss auf unsere Zukunft. :) Auch wenn ich mich in meinem kleinen Umfeld täglich wieder mit den gleichen Problemen wie Müll, Ungerechtigkeit, Ignoranz, Teilnahmlosigkeit, regelrechter Dummheit, Aggression etc. konfrontiert sehe, es lässt mich nicht kalt. Vielleicht ist das ein erster Schritt? Mir hilft es auch, meine Gedanken zu formulieren und zu teilen. Und wenn wir aus unserem Fenster schauen, dann gibt es immer wieder gute Momente, in denen wir von anderen Menschen positiv überrascht werden. Heini Staudinger formuliert das für mich sehr treffen: „In unserem Inneren wissen wir längst, dass uns diese Wirtschaft nicht ins Glück führt, dass dieser Konsum nicht glücklich, sondern müde macht. Seit Jahrtausenden (die alten Chinesen wussten schon davon) sind wir in Zwängen gefangen, von denen uns niemand erlösen wird, es sei denn, wir nehmen das Projekt der Befreiung selbst in die Hand. Der Wegweiser liegt tief in unserem Innern. Dort müssen wir hinhorchen.“ (Quelle:http://w4tler.at/)
      In diesem Sinne habe ich die Hoffnung, dass wir Menschen den Sprung schaffen und unsere Einstellung „by Design“ und nicht „by Desaster“ ändern werden. :)
      Du auch?
      Liebe Grüße,
      Esther

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  2. Lotte

    Hallo Esther, hallo Tabea,
    Eure Beiträge haben mich nachdenklich gestimmt, weshalb ich erst einmal 2 Nächte drüber schlafen musste, nun möchte ich aber dennoch auch etwas zu diesem Thema schreiben.
    Als ich von der neuen Verpackungsidee erfuhr war ich ehrlich gesagt positiv überrascht: endlich eine umweltverträglichere Alternative zum Plastik.
    An die Kehrseite der Medaille habe ich zunächst gar nicht gedacht, daher danke für Eure Beiträge und den Anstoß dazu. Sicherlich ist die alternative Verpackung aus Milch nicht die Lösung aller Probleme und wird nur umgewälzt auf eine andere Ebene. Dennoch, ist es in meinen Augen das kleinere Übel zu elend verendenden Meerestieren die sich nicht aussuchen können, ob sie Plastik fressen oder nicht.
    Auf jeden Fall habt ihr recht, Verpackung und Plastik vermeiden und die Lebensweise umzustellen ist natürlich die erste Wahl. Doch auch wenn ich das wirklich wirklich wirklich im Alltag schon umsetze: ganz vermeidbar ist Plastik in meinem Leben nicht und daher frage ich Euch: schafft ihr das?Schafft ihr es immer im Supermarkt ohne Verpackung einzukaufen? Schafft ihr es ein Duschgel in einer plastikfreien Verpackung zu kaufen? Welche Müllbeutel verwendet ihr?
    Liebe Grüße
    Lotte

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    1. Esther Autor

      Hallo Lotte,
      Danke für deine Gedanken. Leider komme ich erst heute zum Antworten.
      Wir verwenden kein normales Duschgel mehr. Es gibt zum Beispiel Haar -Körperseifen. Natürlich mussten wir ein wenig Zeit investieren und das für uns passende Produkt finden. Phasenweise verwende ich auch Roggenmehl oder Essigwasser zur Haarpflege. Dazu habe ich ein paar Sachen geschrieben. Es gibt für fast alles eine alternative Lösung, nicht jedoch für meine Schilddrüsen Hormone oder notwendige Medikamente. Auch bei beruflichen Verpflichtungen, unterwegs, in standard Hotels ist es manchmal nicht einfach seinen Prinzipien treu zu bleiben. Beispielsweise bei der Bahnreise am Wochenende habe ich dankend auf alle Annehmlichkeiten und das Frühstück verzichtet, obwohl es im Preis inbegriffen war. Aber mal ganz ehrlich, wer möchte eine Papierbox mit einzeln verpackter Butter, Käse, Zucker, Rührstab …. Nein. Gut vorbereit sein ist das A und O. Ich habe immer mindestens einen Stoffbeutel und gebrauchte Papiertüten dabei. Oft auch einen Löffel, ein Messer, meine Trinkflasche und eine Dose. Wer braucht Mülltüten für was? Wir trennen alles. An Allgemeinmüll fällt kaum etwas an. Altlasten an Plastik sammeln wir in einer Tüte. Unsere Mülltüten verwenden wir seit ca zwei Jahren. Ausleeren. Fertig.
      Ich hoffe das gib ein wenig Einblick.
      Liebe Grüße, Esther

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      1. Lotte

        Danke Esther,
        Du hast recht, wahrscheinlich geht alles, wenn man nur gründlich genug nach einer Alternative sucht. In unserem Haus gibt es leider keine Biotonne, sonst fällt bei uns eigtl auch kein Restmüll an. Aber Dein Beitrag spornt mich an weiter nach Alternativen zu suchen. Danke!

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      2. Esther Autor

        Hallo Lotte,
        manche Sachen ersetzen wir aber nicht mehr. Vielleicht ist das der Preis, den wir zahlen müssen. ;) Es gibt tolle Privat-Biotonnen sogar für die Wohnung. Vielleicht ist das etwas für euch? Ich dachte eine Biotonne müsse jedes Haus stellen? Vielleicht könnt ihr mal mit der Hausverwaltung sprechen? Es gibt auch Momente, da gönne ich mir ganz bewusst etwas: Zum Beispiel Tofu, Kieselerde, Lupinenmehl oder Schokolade. Oder wir retten Lebensmittel mit Verpackung, bekommen etwas geschenkt, sind schon wieder mal auf eine alternativ aussehende Pakung reingefallen, dann fällt immer mal wieder Müll an, den wir nicht gut vermeiden können. Mir hilft es, wenn ich nicht so viel einkaufen kann, das macht es irgendwie leichter. ;)
        Ich denke gerade darüber nach, was ich mir an meinem Rad befestigen kann, um diese Mengen an Müll auf meinem Arbeitsweg einzusammeln. Ich möchte nichts kaufen, sondern etwas basteln.
        Liebe Grüße,
        Esther

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