Archiv für den Monat Mai 2016

DIE SMARTE DIKTATUR von HARALD WELZER

„DER ANGRIFF AUF UNSERE FREIHEIT“

Am Wochenende habe ich mir ein Buch geleistet und sofort verschlungen. Dies war eine bewusste Kaufentscheidung, da die Bib das Buch leider nicht führt (oder eher noch nicht). Im Grunde möchte ich ja – wie ihr wisst – weniger Besitz und nicht mehr, deswegen ist jeder Kauf wohlüberlegt. Es geht mittlerweile so weit, dass es fast mit körperlichen Schmerzen verbunden ist, wenn ich etwas erwerben muss. Ich möchte gewisse Läden, Unternehmen und Geldmaschinen einfach nicht mehr unterstützen. Vielleicht kennt ihr das auch? Immerhin erwarb ich es im kleinen Buchladen nebenan, quasi offline. Ohne die gigantische alles verschlingende Bestellmaschine in Gang zu setzen. Somit habe ich schon die ersten expliziten Aufforderungen am Ende des Buches beherzigt, obwohl ich es noch nicht gelesen hatte. :)

Wie sich unsere Welt verändern wird, wenn alle noch mehr und ausschließlich online bestellen, liefern und zurück schicken lassen, ist heute glaub ich kaum vorstellbar. In Hamburg muss die Elbe erneut vertieft werden, damit die riesigen Schiffe überhaupt voll beladen mit ihren fast 20 000 Containern einlaufen können. Größere Schiffe bedeutet ja auch größere Häfen, mehr Lagerfläche, Infrastruktur zum Ausladen, Umladen, Abtransportieren, mehr Straßen, mehr Verkehr, mehr Stau, mehr Lärm, mehr Gestank, mehr …… Laut Welzer soll der Güterverkehr in Deutschland in den nächsten 15 Jahren um 38% zulegen. Stellt euch das mal vor? (Ich schweife ab – )

Sicherlich kennt ihr einige Werke, Vorträge oder Interviews von Harald Welzer. Wie immer: eloquent und pointiert, zugleich verstörend-ehrlich und komisch-zynisch. Sehr lesenswert.

Welzer beschreibt sehr treffend, wie wir Konsumsklaven in selbst gewollte Unfreiheit gehen und dafür auch noch jubelnd den Preis zahlen. Denn alles ist besser als offline zu sein und eben nicht das smarte neueste mobile Endgerät in Händen zu halten. Er geht auf die Themen Überwachung und Freiheit ein. Legt sehr deutlich und schmerzlich die Verbindungen zwischen Ökologie und Digitalisierung dar. Er erklärt wie hoch der Preis für unseren Neo-Feudalismus ist und warum wir das alle jeden Tag verdrängen. Er führt aus, wie Konsum in unserem Kapitalismus die Persönlichkeit reduziert und wie stark wir im „Knetozän“ gefangen sind.

Das Buch hat mich stark in seinen Bann gezogen und beschäftigt. Auf jeden Fall ein Werk zum Weitergeben und Diskutieren. Dankbar bin ich für die positiven Worte gegen Ende. Es erlaubt einem abends wieder einschlafen zu können. ;)

Eine kleine Auswahl:

Falsche Gerechtigkeit?

Schaut euch bitte mal das Foto an!

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Dieses Verhalten führt zu einem Bußgeld von 25,- Euro. Eine Verwarnung der Landeshauptstadt. Beweismittel: Foto!

Mein Leihwagen steht im sogenannten Straßenbegleitgrün. Ich habe mir die Zeit genommen, mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Baureferates zu telefonieren. Da ich kein Auto besitze und den Leihwagen nur während Produktionen fahre, wollte ich herausfinden, ob sich etwas an den Regeln geändert hat. „Nein, bislang habe ich wohl Glück gehabt“ OK, danke. Die Straße ist ziemlich eng und die Autos werden bekanntlich immer breiter und die Zeit kostbarer, deswegen rasen so viele durch diese Straße und deswegen parke ich tendenziell weiter Richtung Grün. Ist ganz falsch! Nie machen! Laut dem freundlichen Beamten gilt es als vorsätzliches Vergehen und ist grundsätzlich höher zu bestrafen, als normales Falschparken. „Falschparken“, so dass die Radfahrer und Fußgänger oder Autofahrer behindert werden, ist nicht so schlimm. Nicht so vorsätzlich. Ich hatte kurz das Gefühl der Beamte wollte mir sagen, dass ich im bunten Blumenbeet stehe. Mir, die ich fast 200 km Radweg in der Woche zurücklege und ziemlich grün angehaucht bin. Mein Argument, dass dieses Blumenbeet ein ungepflegter Hundeklo und Müllentsorgungsstreifen, der lediglich die Straße von der Autobahnabgrenzung trennt, ist, hat den guten Mann auch nicht aus der Fassung gebracht. Schließlich ist es nicht die Schuld der Landeshauptstadt, dass viele Menschen und Hundebesitzer Ignoranten und Müllschweine sind. Stimmt das? Also warum ist es OK, wenn ich den Müll überall dort fallen lasse, wo ich mich danach fühle, parken darf ich allerdings nicht dort. Das kostet gleich 25,- Euro. Ich hätte meinen Einmalgrill, meine Plastiktüte mit den Grillresten und dem halben Schweinekopf dort entsorgen können, mein Hund kann dort jeden Tag das Aussteigen der Menschen aus ihren Blechkisten beglücken, aber bitte nicht dort parken. Hm. Solange ich kein Schutt ablade bleibt alles wohl ein Kavaliersdelikt? Vielleicht sollten wir an den ganzen Vorschriften schrauben, in die eine oder andere Richtung?!

Natürlich verstehe ich es, dass die Stadt hier Vorschriften hat und auch Geld verdienen muss. Wir müssen ja alle irgendwie Geld verdienen. Allerdings habe ich in den fast drei Jahren, in denen ich hier wohne, noch keinen fleißigen Mitarbeiter vom Baureferat gesehen, der diesen Streifen pflegt, reinigt oder was auch immer die Landeshauptstadt zum Anlass nimmt, dieses Straßenbegleitgrün mit Bußgeldern vor Wandalen wie mir zu bewahren.

Meine Ideen liegen eher in einem Bußgeld für das Verkaufen von Einmal-Grillausstattung, dem vorsätzlichen Hinterlassen von Flaschen und Hausmüll an allen erdenklichen Ecken und wie hier an wirklich schönen und gepflegten Naturschutzgebieten. Warum ist das cool und hip geworden seinen Konsum so zur Schau zu stellen und sich um nichts als sich selbst zu kreisen und davon bitte noch drei Selfies ins Netz zu stellen? Das finde ich zum Kotzen und ein Bußgeld wert.

….Nun bin ich schon wieder ausfallend geworden ;(

 

Reparaturwerkstatt: Ist das schon Up-cycling?

Anstatt durch die Welt zu tingeln, stand auch am letzten Feiertag wieder das Reparieren der Klamotten meiner Freunde auf dem Programm. Und ich habe sogar ein paar Fotos gemacht, um mit euch die Ideen zu teilen. Viel Kunst ist nicht dabei. Es sollte funktional und mit den vorhandenen Möglichkeiten machbar sein. Seht selbst!

Da ich aus dem Modebereich komme, weiß ich wie weit und belastet der Weg der Kleidung ist. Je länger wir die Kleidung tragen, desto besser ist es. Natürlich müssen wir nicht in Sack und Asche rumlaufen. Es gibt Unmengen an guten Up-cycling Ideen und Möglichkeiten. Allerdings hört für mich Up-cycling dort auf, wo wir neue Kleidung einkaufen. Oder versteht ihr unter Up-cycling ein neues Shirt bei H&M zu kaufen, um daraus ein total individuelles Teil in Batik-Look zu kreieren?

Schaut euch den Weg einer Jeans mal hier an! Aber natürlich wissen wir das alles. Dennoch, die neue Saison an „must-have“, Schnäppchen und Frühjahrsmodellen steht vor der Tür. Das schöne, wir können selbst entscheiden, was brauche ich, was brauche ich bestimmt nicht. Wie sexy Verzicht sein kann, wird bereits ausreichend thematisiert. Meist als post-industrielle Beschäftigung von Bildungsbürgern mit Weltrettungssyndrom. Das lasse ich mal so stehen. Das aber die „Geiz ist geil“- Zeit langsam vorbei ist, würde ich mit Blick auf mein Umfeld sofort unterschreiben. Ich schweife ab.

Hier noch zwei einfache Varianten, wie aus alten Sporthosen wieder funktionsfähige fast neuwertige Modelle werden. Die Gesäßnaht war eingerissen, passiert zu gerne nach Jahren des Gebrauchs. Ich habe einen keilförmigen Einsatz und einen schmalen Streifen verwendet. Ton in Ton sollte es schon sein. Wenigstens auf der Außenseite :) Und bei allem gilt, je weniger synthetische Fasern, desto besser. In diesem Sinne, einen schönen Abend.

Was habt ihr am Feiertag gemacht?

Update: die leere weiße Wand

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Ich hatte bereits unsere Bemühungen um weniger Besitz und mehr Freiheit hier und hier angedeutet. Heute hat das Küchenregal endlich ein neues Zuhause gefunden. Herrlich, und 20 Euro habe ich auch noch verdient. Dafür strahlt uns nun eine leere Wand an. Die neuen Besitzer möchten das Regal nutzen, um im Kinderzimmer mehr Ordnung zu schaffen. Eine Win-Win Situation würde ich sagen. Meine Freundin Franzi wird mich sicherlich darauf hinweisen, dass es schon langsam ungemütlich leer wird. Sorry Franzi, da musst du durch! ;)

In unserem Wohnviertel war heute Flohmarkt. Verrückt, was die Leute alles vor die Tür stellen können. Ganze Tische mit Porzellan, Gläsern, Klamotten, Büchern, Spielzeug und Tand reiht sich teilweise meterweit aneinander. Alleine beim Anblick bekomme ich mittlerweile Beklemmungen. Irgendwie tun mir die Menschen auch leid. So viel Zeug muss gekauft, sortiert, gepflegt, gelesen, getragen, gewaschen, gelagert, entsorgt… werden. Interessant wie sich der Blick auf die Dinge ändern kann. Die Zeiten in denen ich gerne eingekauft habe sind weiterhin in meinem Gedächtnis.

Die freie Wand ist nicht nur wesentlich entspannender, sondern sie bietet nun so viel mehr Möglichkeiten zum Beispiel für Yoga-Übungen und Handstand. Wir vergessen zu oft die wichtigsten Sachen im Leben. Für mich ist das neben der Zeit, die Gesundheit und erst dann kommt alles andere. Ohne Zeit und Gesundheit können wir keinem Menschen etwas geben, uns weder um die Menschen, uns selbst oder Vorhaben kümmern, die uns wichtig sind. Was ist das Wichtigste für euch?

Wenn ich in der Arbeitsmühle drin hänge und das Rad sich immer schneller dreht und ich doch nicht hinter her komme, dann vergesse ich doch zu leicht, wie schnell sich alles – und damit meine ich wirklich alles – um uns und in uns ändern kann. Erinnert euch an die letzten Zahnschmerzen, die Magenkrämpfe oder die letzte Erkältung, wie froh ist man, wenn das wieder hinter einem liegt und nicht jede Sekunde bestimmt. Ich habe selbst Menschen in meinem engen Familien- und Freundeskreis, die für jeden schmerzfreien Tag dankbar sind.

Warum frage ich mich, schaffen wir es zum Beispiel nicht unsere Rückenübungen regelmäßig zu machen? Etwas nicht zu essen/trinken, von dem wir wissen es ist nicht gut für uns? Sind wir einfach schwach oder vergessen wir so schnell?

OK, ich bin von meinem eigentlichen Thema ganz schön weit entfernt. Da fängt man einen Beitrag mit einem spezifischen Thema an und endet im Themenwald. ;)

So, noch ein Wort zum Samstag:

Wie wäre es, wenn wir jeden Morgen mit Dankbarkeit und Freude beginnen? Das wäre ein erster Schritt. Auch für mich.

Weniger konsumieren, besitzen und dafür mehr leben, fühlen und sein! In diesem Sinne, uns allen ein sonniges entspanntes Wochenende, an dem wir lernen mehr Zweck sein zu können.

Nachhaltigkeit ist keine Modefrage

Ein Feiertag ist genau der rechte Anlass, um sich den Dingen zu widmen, die sonst im Alltag zu kurz kommen. Die Frage ist nur, welches „Ding“ von der weiten Palette seine Berechtigung erhält. Auch wenn Minimalisieren und Achtsamkeit auf der Lebensabschnitt-Agenda steht. Es wollen neben der Arbeit, Haushalt, Familie, Freunde, Gesundheit, Sport, Weiterbildung viele Interessen und Verpflichtungen gesehen werden.

Ich habe zwei Dinge gleichzeitig gemacht. Auch wenn Niko Paech kein Freund von Multitasking ist, habe ich den Abend mit ihm und meinen Sportschuhen verbracht.

Dieses Interview ist sehr lebendig und gibt einen guten Einblick in die Welt, in der ich gerne leben würde.

Nebenbei stand das Reparieren meiner Lauf- und Sportschuhe auf dem Plan. Wenn ihr auch viel in Bewegung seid und Sport zu eurem täglichen Leben gehört, dann sind euch die Verschleißerscheinungen an den Schuhen vielleicht auch bekannt. Meine Schuhe sahen so aus:

Löcher, die ich von Innen nach Außen gebohrt habe oder solche die von Außen entstanden sind. Damit die Schuhe länger halten und weiterhin ordentlich aussehen, muss das Loch rechtzeitig gestopft werden. Minimal invasiv quasi :) Sicherlich ist der Faden in der richtigen Farbe zu wählen und am Besten im Muster der Schuhe arbeiten. Ich habe hier nicht so viel Mühe auf die Optik gelegt, sondern das eher funktional gesehen.

Nun sehen sie wieder ordentlich aus, so das ich sicherlich noch lange weiterlaufen kann, ohne an eine Neuanschaffung zu denken. Die Sohle wird leider den Neukauf bestimmen.

Während ich Teil 2 anhörte, habe ich die Kleidung von Freunden repariert. Somit habe ich mich ganz in Niko Paechs „schöner neuer Welt“ bewegt:

  1. Güter länger nutzen und damit der Industrie und dem Konsum die kalte Schulter zeigen
  2. Ressourcen sparen
  3. Selbst reparieren
  4. Austausch an Dienstleistungen
  5. Vernetzung mit Geich-denkenden 

Was macht ihr um euch auf eine Postwachstumsökonomie einzustellen und Suffizienz zu leben?

Thematisch passend verlinke ich hier zu Maria