Müll: In meinem Wohnzimmer!

Früher war alles besser!

Ist das so? In Bezug auf Müll im öffentlichen Raum habe ich in den letzten Jahren eine deutliche Steigerung erlebt. Da ich viel mit dem Rad und zu Fuß unterwegs bin, habe ich die Zeit meine Umwelt wahrzunehmen.

Isar

Bewohner der Isar (Esther 2014)

Zu Beginn des Jahres dachte ich es liegt vielleicht an Silvester, dass überall Müll liegt. Danach kamen die stürmischen Wochen, da dachte ich es liegt vielleicht am Wind, dass so viel Müll meinen Weg säumt. Nun hält der Frühling Einzug und neben den ersten Blumen liegen gefüllte oder leere Hundebeutel. Ist ja bald Ostern könnte man denken, da werden eben bunte Überraschungen in Plastik verschenkt, allerdings frage ich mich, ob die falschen Osterhasen noch wissen, wo sie überall ihre Beutelchen platziert haben? Davon abgesehen, dass ich es wirklich nicht verstehe warum Hundebesitzer ihrem lieben Schatz beim Geschäft auf den Po schauen, sich die Mühe machen und die Ernte einsammeln um dann das stinkende Gefahrengut an einen Baum zu hängen, auf den Gehweg zu legen, auf malerische Mauern zu dekorieren oder zwischen die Blumen zu werfen, anstatt in den Müll. Warum, wer weiß Rat? Leider habe ich selbst noch niemanden auf frischer Tat ertappt. Ich würde zu gerne wissen, ob das Kalkül, Dummheit oder Ignoranz ist. Liesl hat dazu einen guten Beitrag geschrieben.

Neben den Hunde-Überraschungen gibt es allerdings noch viel mehr Wohlstandsmüll. Ich spreche nicht vom Sperrmüll, Autoreifen, Schutt oder ganzen Müllsäcken, die Menschen einfach wahllos und willentlich entsorgen. Ich spreche von den alltäglichen Hürden: Die To Go Becher, Taschentücher, Zeitungen, Fastfood-Reste, Zigarettenschachteln, Bierflaschen, Kippen und Plastikflaschen in den Müll zu werfen, ist so anstrengend und grenzt an Höchstleistung. Wie soll das eine Person alleine nur schaffen? Besser einfach fallen lassen oder mit einem sexy coolen Schwung ins Grün schleudern. Warum sind Menschen so?

Ich habe leider solche Aggressionen gegen diese ignoranten Dumpfköpfe, als wäre die Umwelt um mich herum meine Verantwortung. Es fühlt sich an, als würden sie in meinem Wohnzimmer ihren Müll abladen. Ein Film trifft das sehr gut. Das spricht mir aus dem Herzen:

Sobald das Wetter besser wird, die Abende mild und die Nächte angenehm, wird meine Isar wieder von Partyvolk und Wandalen heimgesucht. Im Sommer laufe ich mittlerweile nicht mehr an der Isar, da alle schönen Schleichwege dann zur Toilette umfunktioniert werden. Für alle, die sich kein Bild machen können, so sieht es aus, wenn jedes Wochenende 4 Tonnen Müll von ca. 30.000 Besuchern an der Isar entstehen:

(ab 1:40 siehst du was ich meine)

Früher konnte ich an der Isar auch im Sommer laufen. Leider ist es mittlerweile „hip“ und „in“ die lauen Abende in gesellschaftlichem Besäufnis im Grünen, am Fluss, im Park inmitten der Stadt zu verbringen. Die Ratten freuen sich, die laben sich an den Hinterlassenschaften. Leider sind viele zu gechillt (schlimmes Deutsch) oder betrunken, um den Müll zu entsorgen. Schade, dass man Ratten nicht trainieren kann.

Ich habe mittlerweile eine Statistik erstellt. Neben den verschiedenen Arten von Müll interessiert mich die Verteilung. Folgende Einflussfaktoren wirken sich auf die Menge aus:

  • Parkbereich von Autos
  • Anzahl an Geschäften / Einzelhandel
  • Straße
  • Entfernung zu öffentlichem Nahverkehr
  • Bevölkerungsdichte
  • Jahreszeit
  • Wochentag
  • Wetter

Überall dort, wo Geschäfte sind, Autos fahren und parken können ist es extrem vermüllt. Dann kommt der Bereich in dem Autos oder Züge fahren, Picknick-Gelände, Spazier- und Radelwege… es wird besser, sobald die Anstrengung steigt, mit der die Gegend erreicht werden muss. Gerade die grünen Lungen und Parks in den Städten sollen doch zur Erholung und Freude dienen, da verstehe ich nicht, warum so viele Menschen ihren Müll liegen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von denen beim nächsten Besuch im Müll oder in Scherben sitzen möchte.

Es macht auch keinen Sinn die Pfandflaschen ganz gönnerisch für den nächsten Sammler auf der Brüstung, auf der Brücke, auf Mülleimern zu platzieren. Bein nächsten Wind sind daraus Scherben entstanden, die Tiere, Menschen und Radfahrer schaden.

Wenn ich mit meinem Rad einmal quer durch die ganze Stadt zur Arbeit fahre, und bei jedem Müllteil auf meinem Weg ein Foto mache, dann würde ich jede Sekunde abdrücken. Also 3.600 Fotos nur auf meinem Weg! Nur in meinem direkten Sichtfeld! Dabei fahre ich zu 70% an der Isar entlang. Ich könnte täglich heulen, aber das bringt ja nichts.

Ich frage mich, wie diese Menschen erreichbar sind? Wie kann ich etwas verändern oder verbessern? Muss es erst Verbote und Strafen geben, denn das ist die logische Konsequenz wenn Menschen sich nicht an Regeln halten. Wenn das Grillen an der Isar verboten wird, dann ist das Geschrei groß. Es trifft dann alle Besucher, nicht nur die Wandalen.

Wie sieht es bei euch aus? Ist es heute besser als früher? Gibt es vielleicht erfreuliche Erfahrungen?

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12 Gedanken zu „Müll: In meinem Wohnzimmer!

  1. Mark-A.

    Zu welchem Handeln wird man erzogen? Was suggeriert die to-go-Wirtschaft: man kann überall konsumieren und dann auch überall abladen(?). Mir kam es zumindest so vor, als ich einen ausgetrunkenen Becher in meinem Fahrradkorb antraf. Der nächste Mülleimer war nur 20 Meter weiter anzutreffen. Ist auch dieser Weg zu lang? Eigentlich kommt man doch so oder so an einen Mülleimer vorbei – aber man stellt ab, lässt liegen oder wirft hin…
    Wie lassen sich die Halden vor den Supermärkten erklären? Sollte jeder Laden am Ausgang ein Erinnerungsschild hin hängen, dass Müll in dafür vorgesehene Orte einzuwerfen sei?

    Du sprichst einen interessanten Aspekt an, wenn du sagst, als würde Müll im eigenen Wohnzimmer abgeladen werden, wenn du den Müll im Grün siehst. Du setzt es im Bezug zu dir selbst. Daraus entsteht Betroffenheit. Leute fühlen sich zum Handeln animiert, wenn sie betroffen sind. Sie fühlen sich dann zum Handeln animiert, wenn sie Folgen spüren, welcher Art auch immer. Dementsprechend fühlen sie sich nicht verantwortlich, wenn sie den Müll einfach im Grünen liegen lassen: es räumt jemand weg, oder es liegt halt da (kein Gedanken darauf verschwenden, wie lange…): sie sind nicht betroffen und somit der Situation gegenüber gleichgültig. Nicht jeder kann oder muss eine starke Betroffenheit entwickeln. Die Notwendigkeit einer Besserung der Situation ist aber unbestritten da.
    Also liegt eine riesige Herausforderung sicherlich in der Sensibilisierung. Ein anderes probates Mittel ist wohl der Zwang (also zum Beispiel ein Gesetz oder eine Ordnungsmaßnahme), um der Situation Herr zu werden.

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    1. Esther Autor

      To go Mentalität – das trifft es schon ganz gut. Alles ist immer verfügbar, alles fallen lassen, was keinen Nutzen mehr hat ist dann nur eine logische Konsequenz. ;( LG Esther

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  2. Lotte

    Mir fällt der Müll auch immer mehr auf, kann aber auch sein, dass es an der bewussteren Wahrnehmung dafür liegt.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich die deutsche Müllabfuhr-Kultur auch schwer nachvollziehen kann. Ich bin nicht in Deutschland aufgewachsen, sondern in Luxemburg. Und dort gibt es einfach viel viel mehr Mülleimer in öffentlichen Bereichen. Man mag sich darüber lustig machen können, dass man alle 10 Meter an einem Mülleimer vorbei kommt, aber so ergibt sich meiner Meinung nach gar nicht erst die Situation, dass man in die Versuchung kommt, seinen Müll in die Hecke zu werfen. Mir fällt einfach auf, dass in Deutschland Mülltonnen oft nur an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel stehen oder an Parkbänken. Aber das war es dann auch schon fast. Und diese sind dann leider auch oft (gerade im Sommer) schon überfüllt. Möglich, dass das das Müllproblem nicht löst und auch teurer ist und unsere Gesellschaft verwöhnt. Aber eine Erklärung könnte es sein.

    Neulich stand ich an einer S-Bahn Haltestelle und ein Mitbürger mit Migrationshintergrund stand, genau wie ich, ein paar Meter von einem Mülleimer entfernt. Er trank seinen Plastikbecher aus einem diser Getränkeautomaten für Heißgetränke aus und ging dann AM MÜLLEIMER VORBEI zum Geländer um seinen Plastikbecher über das Geländer ins Gebüsch zu werfen – wo auch schon etliche andere gleicher Sorte lagen. Kann es denn sein, dass er sich das von Deutschan abgeschaut hat um sich möglichst schnell anzupassen?

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    1. Esther Autor

      Hallo Lotte, danke für deine ausführlichen Gedanken. Luxemburg hat also nicht nur das bessere Schulsystem, sondern auch eine flächendeckende Mülleimerdichte. Das mit den Mülleimern könnte sicherlich noch verbessert werden. Auch Deckel auf den Eimern würde helfen, dass z.B. die Raben nicht alles durch die Gegend werfen, oder sind es doch eher die Flaschensammler, die hier auf Beute gehen. Wir haben an der Isar richtige Container aufgestellt. Da passt mein Hausstand rein. Das hilft dennoch bei vielen nicht.
      Das mit der Müllbeseitigung ist sicherlich in vielen Ländern aus denen die Leute zu uns kommen ganz anders. Eher wie bei uns in den 60er Jahren, als wir auch noch Müll im Meer entsorgt haben oder der Ölwechsel über einem Erdloch stattfand. Auf meinen Reisen habe ich selbst in Irland, England oder Italien meine Erfahrungen gemacht, die mir die Haare zu Berge stehen lassen. Wiederum schütteln die Leute auf dem Land den Kopf bei den Plastiktüten, die Städter für ihre Hundehaufen verwenden. Es ist sicherlich eine große Aufgabe allen Mitbürgern unsere ideale Variante der Mülltrennung und besser noch Vermeidung nahe zu legen. Als ich in den UAE arbeitete waren wir zu einem Touristenspot, eine natürliche Quelle direkt in der Wüste. Als wir ankamen, war es eine Müllhalde mit vielen badenden Indern und Pakistanern, die den Müll nicht als solchen wahrnahmen. Bei einem Ausflug mit Beduinen habe ich wiederum gelernt, was es heißt ressourcensparsam zu sein. :) LG Esther

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  3. widerstandistzweckmaessig

    Hallo Esther!

    Jetzt im Frühjahr ist es wirklich immer besonders schlimm. Bei mir in der Heimatstadt gibt es deshalb eine Frühjahrsputz, wo alle zusammen greifen und die Gemeinde wieder müllfrei wird.

    Ich finde das aus mehrerlei Gründen super, nicht nur, dass es danach wieder schön aussieht, es wird auch das Bewusstsein geschult. Eine gute Sache finde ich.

    lg
    Maria

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    1. Esther Autor

      Hallo Maria, das finde ich auch. Ica hat davon erst berichtet. Bei uns heißt es RAMADAMA. Ich finde das sollte eine verpflichtende Aktion sein, keine freiwillige Sache von Menschen, die sich sowieso mit dem Thema beschäftigen. Super Incentiv oder Klassenausflug. ;) LG Esther

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  4. Tabea

    Mir fällt der viele Müll in letzter Zeit auch sehr stark auf, vor allem die Bürgersteige am Stadtausgang sind wirklich fürchterlich und die ersten Meter im Feld. Je weiter man sich von der Zivilisation entfernt, desto erträglicher wird es zum Glück.

    Wenn dir was eingefallen ist, wie man die Menschen erreichen kann, dann sag Bescheid. Ich kann es nämlich einfach nicht verstehen, warum jemand freiwillig seine Umwelt ihrer Liebenswürdigkeit beraubt.

    Liebe Grüße

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    1. Esther Autor

      Hallo Tabea,
      ich arbeite daran. Ich denke es geht entweder über eigene Betroffenheit oder Regeln von außen. Bildung und Öffentlichkeitsarbeit. Vielleicht eine gelungene Werbebotschaft. Mittlerweile ist es auch „In“ Rad zu fahren oder im Grünen zu grillen, vielleicht kann man hier ansezten und den sozialen Druck erhöhen. LG Esther

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  5. hex'nhais'l

    ich wohne seit fast über 15 jahren in der ecke. von sommer zu sommer wird’s schlimmer. die renaturierung – in der theorie gelungen, hat die vermüllung nur verschlimmert. jetzt ist die isar im stadtgebiet komplett die partymeile.
    penny hat sein warensortiment längst angepaßt. vor drei oder vier jahren, war dort noch keine grillkohle zu bekommen, auch die gibt’s nun im sortiment und auch den so gern genommen einmalgrill zum dort liegen lassen…
    ich habe aufgehört mich aufzuregen, es bringt nichts, es ändert nichts, schon gar nicht das volk, dass dort unten vom frühling bis in den herbst nur eines macht, partyfeiern mit besaufern um seinen müll dort liegen zu lassen.
    ich flüchte inzwischen, dahin, wo es noch auszuhalten ist. und die guten plätze, habe ich gelernt, für mich zu behalten, denn sonst sieht’s dort auch bald aus, wie hier…

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