Zero Waste Geschäftsreisen – geht das?

Nachdem ich das letzte Wochenende in Stuttgart für die SBB tätig war, hatte ich mich schon auf einen schönen Artikel zu eben diesem Thema „Zero Waste Reisen“ eingestellt.

Mit den öffentlichen Verkehrsmittel ging es zum Hauptbahnhof von dort mit der klassischen akademischen Verspätung nach Stuttgart, in die S-Bahn und weiter zum Hotel. So weit so gut. Die ignoranten reisenden Mitmenschen, die weder älteren Leuten mal den Koffer abnehmen können, noch einen Schritt aus dem Weg gehen, hatte ich schnell wieder verdrängt. Ihre Coffee to Go Becher blieben mir länger im Gedächtnis. Das Zimmer im Tagungshotel war überschaubar und ausreichend für drei Tage. Die Sauna wurde ausprobiert und der Fitnessraum inspiziert.

So sieht das aus, wenn die Kultur auf reisen geht:

Kulturbeutel

mein selbstgenähter Kulturbeutel – aus alter Bettwäsche

Inhalt des Kulturbeutels

Zero Waste und minimal reisen: Kamm, Nagelschere, Pinzette, Roggenmehl, Zahnbürste, Natron als Deo und Zahnpasta, Ruby Cup, und Schilddrüsenhormone (im Blister! nix ZW!) 

Mit dem Frühstück fingen die Schwierigkeiten an. Als vegane Plastik- und Müllvermeiderin ist das Frühstück schnell erzählt: Müsli mit heißem Wasser und Obst. Natürlich hätte es eine große Auswahl an Fleisch, Wurst, Käse und dem üblichen abgepackten Kram wie Nutella, Butter und Marmelade gegeben. Vegan und vor allem Zero Waste ist das aber nicht. Das Mittag- und Abendessen bestand aus Salat und Alibi-Körnersemmel oder gründlich gegarten Beilagen. Was soll ich sagen, ich habe das ja freiwillig gewählt. Das Wasser zum Essen kam aus Plastikflaschen oder aus dem Saftautomaten, in dem bekanntlich 5 Liter Plastikbeutel hängen. Ganz abgesehen vom Plastiktablett. Das aussah als würde es schon ein paar Jahre wiederverwendet ;) immerhin.

Tagsüber wurden wir rundum gut versorgt. In den Pausen gab es reichlich Getränke, Obst, Süß und Brezen. Das Wasser wurde in Glasflaschen angeboten, welche Freude! Bis ich sah, dass die SODENTHALER Mineral-Quelle aus dem Hause Coca Cola kommt. Das Obst aus Spanien wurde unter einer Plastikfolie verpackt, vielleicht damit es nicht so schnell weglaufen kann? Süß gab es ausschließlich in Plastik und vegan war da auch nix. Ich habe eine Butterbreze gegessen, weil ich zu spät festgestellt habe, dass darauf Butter war. Ich bin nicht gestorben. Allerdings war das jetzt auch kein genussvolles Wochenende.

Resümee: Ein insgesamt eher anstrengendes Wochenende mit guten Gesprächen, interessanten Menschen, neuen Erfahrungen und viel Salat. Den Stress machen wir uns meistens selbst. Natürlich kann ich meinen kleinen Beitrag leisten, ob es das Stofftaschentuch ist oder die Verweigerung von eingepackten Lebensmitteln, doch auch ich habe Biomüll produziert, Coca Cola unterstützt, Betten, Sitze, Handtücher, Teppiche etc. abgenutzt, ein System unterstützt, das auf Verbrauch und Schnelllebigkeit baut und meinen Fußabdruck vergrößert. Wirkliche Zero Waste Reisen sind meines Erachtens eine Illusion. Ich werde weiterhin meinen kleinen Beitrag leisten und Menschen vorleben, dass es auch anders geht. In wieweit ich dadurch etwas verändern werde, wird sich vielleicht in ferner Zukunft zeigen. Vielleicht wird es sich nie zeigen, doch es gibt kein zurück mehr. Das wäre als würde ich wieder zurück in die platonische Höhle gehen und versuchen das zu vergessen was ich draußen gesehen und gelernt habe.

Habt ihr Tipps, Ideen oder Infos – was könnte ich noch verbessern und gibt es Zero Waste Reisen?

Die Bahn hat mich sicher nach Hause gebracht, akademisch – versteht sich. ;)

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4 Gedanken zu „Zero Waste Geschäftsreisen – geht das?

    1. Esther Autor

      Danke Maria, gefunden und gelesen. Ich kann mich da in vielen Punkten wiederfinden. Es ist auch interessant, wie oft das Hirn sich einschalten muss, weil Abläufe seit Jahrzehnten eingespielt sind und in der neuen Umgebung dann erst wieder reaktiviert werden müssen. Was mir in deinem Artikel und an deiner Herangehensweise auch gefällt, ist die Gelassenheit bei gleichzeitiger recht konsequenter Umsetzung deiner Prinzipien. Das wirkt überlegt, ehrlich, authentisch und vor allem machbar im täglichen Miteinander ;) Danke! LG Esther

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  1. Pingback: Da geht noch was – Sich und andere Leben

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