2016 = 40 Tage Verzicht und 326 Tage Überfluss

Hier sollte eigentlich ein konstruktiver Beitrag über meine Begeisterung für Natron stehen. Und dann kam alles ganz anders.

Denn es ist Karneval und danach Fastenzeit?! 

Es gibt einige Menschen die sich aktuell mit der Frage beschäftigen, auf was sie in der Fastenzeit verzichten möchten. Grundsätzlich eine schöne Idee. 40 Tage mal kein Fleisch essen, kein Plastikmüll produzieren, kein Kaffee trinken, auf Zucker verzichten, Klamottenkur halten oder weniger Zeit online verbringen. Maria hat auf ihrer Seite einen schönen Überblick über mögliche Fastenideen geteilt.

Wenn ich unsere Nachbarn sehe, die heute wieder vier schwere dicke Plastiktüten voll Restmüll aus ihrer Wohnung getragen haben, dann kann ich mir gut vorstellen, dass 40 Tage Verzicht für viele Menschen eine große Herausforderung und ein noch größeres Opfer bedeuten können.

Bleiben also noch 326 Tage (29.2.!) um zu konsumieren. Fleisch, Eier, Kuchen und Fisch zu essen, bis der Arzt kommt.

Leider gehen mir die Zahlen nicht aus dem Kopf. Wer isst denn bitte all die produzierten Lebensmittel, wer kauft die Autos und nutzt die Flugangebote?

6 Milliarden Eier wurden bereis im 1. Halbjahr 2015 in Deutschland erzeugt. Dabei geht es hier nur um die Unternehmen mit mindestens 3 000 Hennenhaltungsplätzen. In Deutschland wurde im letzten Jahr ein neuer Rekord aufgestellt. Mehr Schlachtungen als je zuvor! Fleischerzeugung mit neuem Rekordwert! 8,22 Millionen Tonnen totes Tier!

Mir steigen die Tränen ins Gesicht.

Im Jahr 2014 wurden in unseren rund 6 000 deutschen Aquakultur-Betrieben etwa 20 900 Tonnen Fisch und rund 5 300 Tonnen Muscheln erzeugt (für 2015 lagen keine Daten vor). Hinzu kommen die Fische aus dem Meer. Aber die Fangquote wird ja geregelt. Die neuen Fangquoten und Nachhaltigkeitsziele aus der Ostsee für 2016 sehen eine Erhöhung bei Heringen und Scholle vor.

„Mit diesem Beschluss stellen wir in der Ostsee bereits im nächsten Jahr für viele Bestände eine nachhaltige Fischerei nach dem Prinzip des maximalen Dauerertrags sicher“ Quelle BMEL

Ich habe gelernt: Nachhaltigkeit und das Prinzip des maximalen Dauerertrags schließen sich nicht aus. Ganz im Gegenteil wie der Bundesminister Christian Schmidt das hier formuliert. Ich frage mich wer kontrolliert was die Fischindustrie der EU-Ostsee-Anrainerstaaten aus dem Meer zieht?

Für Deutschland relevante TAC und Quoten Ostsee 2016
EU-Gesamtfangmenge 2016 Deutsche Quote 2016 Deutsche Quote 2015 Änderung 2016/2015
in Tonnen (t), Lachs: Stückzahl
Hering westl. Ostsee (Gebiete 22-24) 26.274 14.496 12.259 18 %
Hering östl. Ostsee (Gebiete 25-27 etc.) 177.505 1.035 953 9 %
Dorsch westl. Ostsee (Gebiete 22-24) 12.720 2.715 3.393 -20 %
Dorsch östl. Ostsee (Gebiete 25-32) 41.143 3.760 4.700 -20 %
Scholle 4.034 321 271 18 %
Sprotte 202.320 12.644 13.347 -5 %
Lachs Gebiete 22-31 95.928 2.212 2.212 0 %
Stand:
29.10.15 Quelle: BMEL

Ist das vergleichbar mit der Müllkontrolle auf hoher See?

„Ordnungswidrigkeiten können mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro geahndet werden. Jedes Einbringen oder Einleiten ins Meer, jede Abgabe an eine Auffanganlage oder jeder abgeschlossene Verbrennungsvorgang müssen in ein „Mülltagebuch“ eingetragen und letztlich durch die Unterschrift des Kapitäns beglaubigt werden. So weit die Theorie.“

„In der Praxis ist eine Kontrolle nahezu unmöglich, wenn die Schiffe nicht mehr im Bereich der Küstenwache sind“, sagt Kim Cornelius Detloff, Referent für Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland e. V. (Nabu). „Die großen Schiffe haben Schredder an Bord – und wenn Müll geschreddert wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar, was für welcher.“ Es sei ein offenes Geheimnis gewesen, dass gelegentlich auch Plastik geschreddert werde. Quelle 

Bei den Unmengen an Plastik im Meer, frage ich mich, wer immer noch den leckeren gesunden Fisch essen möchte? Dann gibt es morgen eben Schnitzel mit Pommes und Thomy- oder Knorr Ketschup von Nestlé. Oder?

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5 Gedanken zu „2016 = 40 Tage Verzicht und 326 Tage Überfluss

  1. widerstandistzweckmaessig

    Hallo!

    Ich sehe das grundsätzlich genau wie Du, wenn es wirklich bei den 40 Tagen bleibt, dann ist zwar auch einiges z.B. an Plastik oder Müll reduzier worden, aber keine nachhaltige Veränderung erzielt worden.

    Die Hoffnung ist aber, dass Menschen, die diese Fastenzeit sehr bewusst begehen die Erkenntnisse auch in die restliche Zeit des Jahres mitnehmen können.

    Wie mir in einem Kommentar auf meinem Blog geschrieben wurde, ist die FB-Gruppe „Plastik … ohne mich!“ aus so einem Fastenprojekt entstanden und wird nun schon seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit ganz vielen Mitgliedern geführt.

    Und genau deshalb finde ich diese Fastenaktionen auch so gut, denn sie geben Gedankenanstöße das Verhalten auch langfristig zu verändern. Und wenn es jedes Mal nur 10% der Menschen sind, die daran teilgenommen haben, so ist das insgesamt doch ein Erfolg.

    lg
    Maria

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    1. Esther Autor

      Liebe Maria,
      danke für deinen Kommentar! Das mit der FB Gruppe ist eine schöne Geschichte. So etwas freut mich immer sehr. Sicherlich bin ich manchmal so sprachlos und irritiert, wenn ich mir Zahlen vor Augen führe, dass ich vielleicht ein wenig voreilig Schlüsse ziehe. Es ist immerhin ein Anfang, wenn sich Menschen mit einem Thema beschäftigen, sich überhaupt mal einlassen. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Dazu gehört sicherlich eine gewissen Bereitschaft zur Reflexion und Offenheit für Neues. Ich bin ja auch nicht perfekt vom Baum gefallen und es gibt immer Bedarf für Verbesserung und Veränderung. Ich würde mir wünschen, dass deine Schätzung richtig ist und immer mal wieder Gedankenanstöße, sei es in der Fastenzeit oder durch andere Mittel, dazu führen, dass unsere Gesellschaft zu einer umweltfreundlicheren, gesünderen und nachhaltigeren Version zusammenwächst. Es gibt Momente da bin ich zuversichtlich und dann gibt es auch ungeduldige Phasen, da kann ich das Tagesgeschehen nicht ertragen. Ich sollte weniger Statistiken ansehen –
      LG Esther

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  2. Grünzeug

    Hallo Esther!

    Ich kann dich gut verstehen – solche Berichte machen wirklich keine gute Laune und regen zum tiefen Nachdenken an. Mir tut es auch jedes Mal im Herzen weh, wenn ich vor Augen geführt bekomme, wie weit wir eigentlich noch von der wünschenswerten Utopie entfernt sind.
    Erst heute habe ich auf dem Crosstrainer im Fitnessstudio zufällig eine Doku über die „Produktion“ von Lachs gesehen – vom Meer zum Konsumenten. Wie da mit Leben umgegangen wird, ist grauenvoll – genau wie in allen übrigen Massentierhaltungen.

    Vielleicht sollten wir aber genau das regelmäßig tun: Uns vor Augen führen, was wir anrichten. Damit wir anfangen, es wirklich ändern zu wollen.
    Denn je mehr Informationen man über diese Themen mit sich herumträgt, desto weniger kann man sein eigenes Handeln vor sich selbst verantworten, denke ich.

    Liebe Grüße
    Jenni

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    1. Esther Autor

      Hallo Jenni,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ja, total richtig. Ich bin auch schon wieder etwas mehr in meiner Mitte angekommen. Ich beschäftige mich sehr viel mit diesen Themen, doch manchmal ertrage ich das nicht. Vor allem, wenn ich nicht viel Einfluss habe. Ich spreche mit meiner Kollegin eine Stunde lang über die schlimmen Fakten vom Fischfang, Plastik im Meer und warum Fisch nicht gegessen werden sollte und in der Mittagspause kauft sie Lachs in Plastik eingepackt. Ich erlebe es leider oft, dass wir erst einmal offen für diese Informationen sein müssen. Bei vielen Mitmenschen ist Information vorhanden, sie wollen aber nicht näher darüber nachdenken. Es bleibt dann beim Verweigern und Leugnen oder bei Gleichgültigkeit, denn es war ja schon immer so. Um einen Prozess in Gang zu bringen ist es sicherlich sinnvoll und hilfreich, dass Menschen wie Maria zum Beispiel positive Beispiele und Alternativen für eine Fastenzeit aufzeigen. Damit der Mensch etwas spielerisch die Möglichkeit bekommt, eine Umstellung zu wagen.
      LG Esther

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  3. Mark-A.

    Hallo Esther,
    seit Jahren schon sammeln sich bei mir statistische Jahrbücher und Atlanten. Warum? Irgendwie will ich den groben Überblick behalten, wohin sich alles so entwickelt.
    Auf den Weltkarten springen einem die Karten ins Auge, die die Überfischung weltweit thematisch darstellen, auch im neuen Diercke. Die europäischen Küsten, ein Großteil der afrikanischen Küste, der asiatischen und insbesondere die südamerikanische Pazifikküste sind überfischt. Rund um Australien spricht man von stabilen Beständen. Außerdem existieren fünf Zonen, in denen sich Plastikmüll in sogenannten Strudeln sammeln, zwei im Pazifik, zwei im Atlantik, einer im Indischen Ozean, und damit die Fischbestände mit großem Nachhall bedrohen.
    Und wer sind die Gewinner der zurückgehenden Fischbestände? – Quallen.
    Das alles gibt durchaus zu denken…
    Besten Gruß
    Mark

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