Warum vegan leben?

Vegan leben kann als Mode, als Entscheidung oder auch als Überzeugung verstanden werden. Für manche ist es hip, für andere vollkommen unverständlich. Nachdem ich noch immer mit Menschen ins Gespräch komme, die ganz  ungläubig oder interessiert nach dem „warum?“ fragen, hier die Punkte, die mir am Herzen liegen und für mich ausschlaggebend sind:

Schmerzen und Leid

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Irland 2015 © Esther

Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, kenne ich das volle Programm: Aufzucht, Schlachten, Ernten, Einmachen – alles was so dazu gehört. Natürlich habe ich auch einige mitfühlende Bauern kennen gelernt. Allerdings änderte das liebevolle Streicheln und mitfühlende Umsorgen nichts daran, dass am Ende aus der freilaufenden Kuh auf der grünen Wiese ein Schnitzel wurde. Lediglich war die Haltung und Lebenszeit der Tiere im Verhältnis zur gängigen Massentierhaltung tierwürdiger. (Der Begriff existiert nicht, nur Menschen steht Würde zu!?)

Es gibt genügend Material, das wir uns über die Massentierhaltung ansehen können. Das möchte ich hier nicht wiederholen. Dennoch soll es weiterhin Menschen geben, die keine Ahnung haben, wie die Mehrzahl der Tiere gehalten wird. Jede Person die Fleisch ist, der sollte bewusst sein, dass ein Tier nicht liebevoll getötet werden kann, noch freiwillig als Wurst auf dem Teller liegt. Es soll Tiere geben, die nicht in Angst und Schrecken transportiert, gehalten und geschlachtet werden. Das ist allerdings die Ausnahme und spiegelt sich im Preis wider. Billiges Fleisch ist immer von einem misshandelten Tier!

Die Entgrenzung der Menschen von der Herstellung der Nahrungsmittel ist sicherlich ein großes Problem. Zusätzlich erzeugt die Werbung weiterhin eine Scheinwelt, die dem Konsument suggeriert, er kauft ein Vorzeigeprodukt aus einem Rosamunde Pilcher Roman. Dadurch ist das Verdrängen der Realität einfacher und das Hinterfragen von Verhaltensmustern schwieriger. Natürlich ist es besser, weniger Fleisch zu essen und dafür ein gutes Fleisch bei einem richtigen Metzger oder direkt beim BIO-Hof zu kaufen. Und die Vorstellung von glücklichen Tieren, wenigstens bis zu ihrem herbeigeführten Ende, begrüße ich auch. Allerdings sind neben dem Leid der Tiere auch die globalen Schäden durch die Massentierhaltung, Massenanbau und Importe von Futtermittel wichtige Faktoren.

Verantwortung

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Pferdezucht in Schleswig-Holstein 2013 © Esther

Als Kind habe ich eine traditionelle arabische Schlachtung erlebt: Dem Bullen wurde der Kopf abgetrennt. Noch heute kann ich den stolzen kraftvollen Körper ohne Kopf auf mich zulaufen sehen. Sicherlich kann das wissenschaftlich erklärt werden, wie ein Tier ohne Kopf aufstehen und laufen kann. Damit habe ich mich später auch beschäftigt. Allerdings wird das Kind in mir keine Erklärung so lebendig vor Augen haben, wie das Bild des Blut verströmenden Bullen. (Diese Schlachtung wiederholte sich auf dem Hof nie wieder. Auch der Bauer und der Metzger hatten mit dieser Erfahrung genug.)

Möchte ich dafür verantwortlich sein, möchte ich ein Teil der Menschen sein, die diese Industrie unterstützt? Kann ich an der Wursttheke stehen und das lecker finden, wenn ich weiß, dass gerade ein mehrer Tage alter Kadaver eines Tieres vor mir liegt? Möchte ich Milch in meinem Tee trinken, wenn ich mir vorstelle, dass die Kuh dafür jedes Jahr mechanisch geschwängert, ihr Kalb entwendet, anschließend zu Wurst verarbeitet wurde, und das Martyrium der Milchkuh nach ca. vier Jahren in einem Fastfood Restaurant endet?

Was ist der Unterschied zwischen Nutztieren, Schlachttieren, Haustieren und Wildtieren? Wir entscheiden ob das Tier leben und spielen darf, im Zoo eingesperrt wird, als Trophäe über dem Kamin hängt, als Schuhe im Regal steht oder ob wir das lieber zum Frühstück verzehren. Und wir entscheiden uns jeden Tag aufs neue! 

Ich habe sehr gerne Käse gegessen, aber ich bin in einer moralischen Zwickmühle. Auf der einen Seite der leckere Geschmack, auf der anderen die eigenen Ideale. Welcher Seite gebe ich nach? Natürlich habe ich Schwächen, ich liebe Schokolade und Kuchen. Wie kann ich damit umgehen, was kann ich vor mir vertreten und wo ist meine Grenze?

Gerechtigkeit

TABELLE

The big 10 Quelle

Ich mag dieses Plakat, auch wenn es schon ein wenig älter ist. Es zeigt die schönen bunten Marken, hinter denen eine Industrie steckt, die weite Bereiche unseres Lebens bestimmt. Die zehn Riesen unserer Zeit. Wenn du Lust hast, dann schau mal die Marken an und zähle, was alles in deinem Haushalt zu finden ist. Was hat das mit Gerechtigkeit zu tun?

Wir wissen mittlerweile alle, dass wir die Kolonialzeit nie wirklich hinter uns gelassen haben. Unser Lebensstandard ist abhängig von Menschen, die für wenig oder fast nichts ihr Leben lang schuften. Auf Bananen- und Kakaobohnenplantagen, in Lederfabriken, in Garnelen Farmen, in der Bekleidungsindustrie (habe ich selbst gesehen), auf Müllkippen, die aus unserem Müll in anderen Ländern entstehen. Elektroschrott, der andere vergiftet, nicht uns. Wir beuten das Meer aus, wir durchforsten und roden das gesamte fruchtbare Land und hinterlassen eine endlose Leere, entwurzelte Menschen, vergewaltigte Frauen, vergiftete Erde. Monokulturen, so weit das Auge reicht, alles um Tiere zu füttern, um Autos zu betanken, um uns das schöne Leben mit Work-Live Balance zu ermöglichen. Schon mal was von EPA gehört? Wir zerstören mit unseren Exporten von tiefgekühlten Geflügel den afrikanischen Markt.

Alle um uns herum möchten diesen Lebensstandard haben. Wirtschaftsflüchtlinge nennen wir das. Wem ist das zu verdenken, wenn unser Handeln den Markt in ihren Ländern kaputt macht.

Es gibt entsetzliche Filme über den Kuhtransport von Indien nach Bangladesch. Das heilige Tier wird von armen indischen Bauern verkauft und über die Grenze geschafft, dort werden die Tiere getötet und für unsere Ledertaschen, Schuhe und Autositze abgeschlachtet. Nicht nach deutschen Gesetzen, sondern nach den Regeln des Konsums. Hat das alles noch etwas mit Gerechtigkeit zu tun? Unser Hunger auf Fleisch zerstört Wälder, Natur und Lebensräume. Die Menschheit und der Hunger wird wachsen, damit wird in den kommenden Jahrzehnten, die Nachfrage steigen. Keiner von uns weiß, wohin das führen wird.

Folgeschäden

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Rhein in Köln © Esther

Die Folgeschäden unseres Lebenswandels sehen wir jeden Tag. Ich habe unter dem Punkt Gerechtigkeit schon einzelne Aspekte angesprochen.

Eine Aussage von Nico Paech ist mir im Gedächtnis geblieben. Der Kauf eines Autos, eine Flugreise, eine Anschaffung wie ein Computer oder eine DVD, das überlegen wir uns vielleicht etwas länger. Nicht jeden Tag bauen wir ein neues Haus, doch wir nehmen jeden Tag Nahrung zu uns. Mehrmals am Tag entscheiden wir mit unserer Ernährung, wie die Zukunft des Planeten aussehen soll.

Wir kreieren mit unseren Handlungen die Zukunft für unsere Kinder und Enkel. Wir bestimmen die Artenvielfalt, unsere Umwelt und -Katastrophen, das Miteinander. Die Folgen sehen wir jeden Tag. Die Folgen werden uns und unsere Familien prägen, unsere Gesellschaft formen, den Alltag bestimmen und sicherlich bis zum letzten Tag verfolgen.

Gesundheit

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Estergebirge, Wanderung 2014 © Esther

Es war auf dem Hochmiesing also auf 1.883 Meter Höhe. Dort trafen wie ein Ehepaar. Die beiden saßen auf dem Gipfel und aßen ihre selbstgemachte Brotzeit. Ganz entspannt blickten sie in die Ferne und gingen im Augenblick auf. Was so besonders war? Es war nicht die einfache Mahlzeit, die Ruhe, die sie ausstrahlten, das altmodische Outfit oder die Tatsache, dass beide die Aussicht genießen konnten, ohne 15 Selfies zu schießen. Nein – sie waren sicherlich Anfang 80. Gezeichnet von einem langen Leben mit allen Höhen und Tiefen, dennoch kraftvoll und fit.

Wir sind damals noch weiter zur Rotwand gelaufen. Den gesamten Weg haben wir uns darüber unterhalten, wie schön das wäre, erstens so alt zu werden und zweitens auch in so einem hohen Alter noch immer die Kraft, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit zu besitzen, einen solchen Berg zu besteigen.

Wenn ich nur die Menschen aus meiner Familie und meinem direkten Freundeskreis aufzähle, die bereits an Krebs erkrankt oder gestorben sind, dann wäre diese liste traurig lang. Falls ich mit meiner Ernährung und meinem Lebenswandel meine Zukunft beeinflussen kann, warum warte ich dann auf ein Wunder, anstatt jeden Tag nur das Beste zu essen. Das Beste für mich, die Tiere, die Umwelt und die Mitmenschen.

Falls ihr noch ein paar Fakten als Ergänzung benötigt: Teste dein Wissen übere die vegane Ernährung.

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7 Gedanken zu „Warum vegan leben?

  1. vegloveblog

    Hallo Esther,

    ein toller Beitrag, dem ich ebenfalls vollkommen zustimme.

    Ich frage mich oft, woher sich der Mensch die Freiheit herausnimmt, anderen Lebewesen das Leben zu nehmen.

    Viele Grüße
    Viktoria

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