Kleiderschrank entschlacken

Jpeg

Frohes Entschlacken!

Heute lag eine Werbung im Treppenhaus aus. Ein Katalog für Bekleidung. Das Schöne daran, ich empfinde keine Notwendigkeit etwas kaufen zu müssen. Sicherlich war das mal anders. Ich bin eine Frau, ich hatte mindestens 30 Paar Schuhe und einen Gürtel in jeder Farbe. Seitdem ich leichter leben möchte, ist das alles Schnee von gestern. Ich werde also weder im Netz nach passenden Sachen schauen, noch meinen heiligen Samstag in der Innenstadt zum Shoppen verbraten müssen, sondern lieber wandern, lernen oder lesen.

Meine gesamte Kleidung habe ich inzwischen um 3/4 reduziert. Ich besitze lediglich Kleidung, die ich mag, kombinieren kann, die mir passt und die verschiedene Zwecke erfüllt. Es ist so viel zeitsparender und weniger frustrierend, wenn alles passt und ich mich in der zweiten Haut wohl fühle. Zudem entfallen die morgendlichen Kämpfe und Verzweiflungen vor dem Kleiderschrank. Es entspannt ungemein, weniger und dafür das Richtige zu besitzen. Davon abgesehen, konnte ich einen Schrank abbauen und habe nun mehr Platz, mehr Ordnung, mehr Ruhe.

Wie bin ich von einer ganzen Batterie zu drei Fächern gewechselt? Das war natürlich ein Prozess, den ich euch hier in drei Schritten zusammenstellen möchte:

Bestandsaufnahme

  • Was besitze ich aktuell?
  • Für welche unterschiedlichen Zwecke benötige ich Kleidung (Arbeit, Sport, Kundentermin, Feste, Tanzen, Gartenarbeit…)?
  • Welche Kleidung habe ich noch ungenutzt oder verpackt im Schrank liegen?
  • Gibt es Sachen, die nicht mehr passen (zu klein, groß, kurz, lang …)?
  • Was ziehe ich wirklich gerne und regelmäßig an?

Grüppchenbildung

  • A – Lieblingsstücke: Sachen, die ich liebe, gerne trage, in denen ich mich wohl fühle und die mir passen.
  • B – Funktionskleidung: Wie Badesachen, Sporthosen, Wanderhosen, Tanzkleidung, vorausgesetzt, die Kleidung passt und vor allem wird noch aktiv verwendet. Ein Karateoutfit aus der Jugend zählt nicht mehr dazu. Das ist ein Relikt und gehört in Gruppe C.
  • C – Reste Rampe: Hier sammelt sich Kleidung, die ich noch nie getragen habe. Sachen, in denen ich mich nicht ganz wohl fühle, weil sie aus der Mode sind oder nicht mehr passen. Vielleicht klemmt auch nur der Reißverschluss?!
  • D – Spezialoutfits: Für besondere Anlässe, Hochzeiten, Trauerfeiern etc.
  • E: Arbeitskleidung: In manchen Fällen kommt noch spezielle Arbeitskleidung hinzu. Oder Kleidung, die dreckig werden kann, wie Hosen für die Gartenarbeit oder ein Kittel für das Einkochen von Tomaten.

Unterwäsche führe ich nicht extra auf, für die sind die Kategorien A bis E ebenso ausschlaggebend.

Restart

  • Alle Kleider aus Kategorie A (hier bitte ehrlich/ realistisch sein) räume ich wieder in den Schrank ein.
  • Die Funktionskleidung und die Arbeitskleidung, die ich wirklich weiterhin verwenden werde, die bekommt einen extra Platz und wird wieder in den Schrank sortiert.
  • Die Spezialoutfits: festliche Kleidung, schwarzer Anzug, Kleid aus den 20ern, probiere an, passt es, fühle ich mich wohl, werde ich das beim nächsten Anlass tragen, oder doch wieder die „casual“ Variante wählen, da das alles eigentlich zu festlich ist? Hier hilft manchmal auch eine zweite Meinung von der besseren Hälfte. :) Alle festlichen Kleider, die ich wirklich noch tragen werde, sortiere ich wieder ein. Die anderen teile ich auf in Verschenken, Verkaufen, Recyceln. 
  • Nun kommt der anstrengende Part. Kleidung die eigentlich gut ist, allerdings nicht mehr richtig passt, aus der Mode ist, noch nie getragen wurde (aus welchem Grund?) oder in der ich mich unwohl fühle, sehe ich mir genauer an:
  1. Gibt es Sachen, die ich wirklich nicht mehr anziehen werde und die nur im Schrank sind, weil sie mich an früher erinnern, oder weil ich denke, das kann ich noch mal anziehen? Diese Kleidung kommt in einen Sack (Kiste/ Koffer) und den verstaue ich für ca. 2 Monate bis ein Jahr an einem Ort, wo er mich nicht stören wird. Nach der gesetzten Zeit schaue ich die Sachen noch mal durch, alles was ich so lange nicht gebraucht oder vermisst habe, ist vielleicht bereit ein neues Zuhause zu finden?
  2. Die Kleidung, die eigentlich noch total gut ist, aber irgendwie nicht so richtig bequem, die ziehe ich in den kommenden Wochen an. Jeden Tag ein anderes Teil. Probetragen nenne ich das. Jetzt kann ich täglich entscheiden, ob das jeweilige Outfit wieder in den Schrank gehört, denn es ist viel angenehmer als ich dachte, oder sollte es geändert werden, denn es zwickt hier und da. Vielleicht hilft auch das Ändern nichts? Dann kommt es auf den Verschenken, Verkaufen oder Recycling Stapel.DSC_0627

Dieses Prozedere habe ich mehrmals durchlaufen. Das Ganze funktioniert auch sehr gut mit Schuhen. Bei allem Wunsch nach weniger Besitz, ist es mir wichtig, dass ich nichts einfach entsorge, weil ich im Rausch bin und nur weniger besitzen möchte. Es muss vielmehr passen. Ausschlaggebend sind für mich Faktoren wie Stoffqualität und Zusammensetzung: Ist es ein synthetischer Stoff, Tierprodukt oder Naturfaser? Dabei sollte immer bedacht werden: Synthetische Stoffe verlieren ca. 2000 Fasern pro Waschgang. Sicherlich habe ich auch das Recycling im Auge. Dennoch versuche ich alle Sachen, die noch gut oder neu sind, zu verkaufen, verschenken, spenden oder zu tauschen. Denn die oberste Priorität ist bei allem Loslassen und Entmüllen, den Sachen ein neues Zuhause zu schenken, im schlechtesten Fall werden sie recycelt oder zur Not auch fachgerecht entsorgt.

Manchmal sind die Kleider emotional besetzt, dann kann ich mich wirklich schwer trennen, obwohl ich weiß, dass ich dieses Kleid oder jene Hose nie wieder tragen werde. Mir hilft, die Sachen an eine Person zu geben, von der ich weiß, sie kann zum Beispiel das selbst genähte Kleid schätzen oder wirklich brauchen.

Ich bin mir bewusst, dass es viel weniger Zeit und Raum in Anspruch nimmt, wenn wir die Dinge einfach in den Hausmüll werfen. Doch das kann und will ich unter allen Umständen verhindern und ich hoffe ihr auch!?

Und nun wohin damit: Freunde, Verwandte, Flohmärkte, Hofmärkte, Secondhand-Läden, Kleinanzeigen, Fundus, filmschaffende Freunde, Sozialkaufhäuser, Soziale Einrichtungen, Tauschbörsen, Tauschabende anbieten, Umsonstläden, Stadtverwaltung, Kirchen, Spendenaufrufe beachten, Obdachlose, beim Änderungsschneider oder kleinen Ateliers anfragen und erst ganz zum Schluss Kleidercontainer (Aber bitte immer nur solche von offiziellen Einrichtungen! Es gibt viele illegale Kleidercontainer, diese Sachen werden zum Beispiel nach Afrika geschickt und machen dort den Markt kaputt. Ein Containerinhalt ist ca. 200 Euro wert!)

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9 Gedanken zu „Kleiderschrank entschlacken

  1. ichbindannmalminimal

    Glückwunsch, Du hast schon das geschafft, was ich noch vor mir habe. Dank Deiner Empfehlungen geht das aber bestimmt schneller als meine angestrebte Variante.
    Wie gehst Du jetzt vor, wenn Du etwas Neues brauchst? Nachhaltiger, langlebiger, was ist für Dich ausschlaggebend?

    PS: Erfreut keine Kleidercontainer mit Eurer Spende, sie wird nur zur weiteren Ausbeutung genutzt. Habe in zwei Wochen Nebenjob genug bei einem Unternehmen gesehen, um jeden vor der „guten Tat“, etwas in so ein Ding zu werfen, zu warnen.

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  2. Tutti G-Land

    Liebe Esther, Kompliment das dein Kleiderschrank schon so schön übersichtlich ist! Ich schaffe es nur gelegentlich etwas auszusortieren. Das irrste kommt anschließend: „Ich könnte ja noch etwas daraus machen“, was dazu führt, das dass aussortierte Zeug in einer anderen Ecke des Hauses lagert….. ( Aua!) Liebe Grüße Tutti

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      1. sanftmut

        Habe ich bisher auch nur einmal gemacht. Immer beim Frühstück ein bisschen aufgetrennt. So ganz vorab war es auch nicht. Ich wusste schon ungefähr, was daraus werden soll. Manchmal kann man die Nähte ja noch verwenden. Aber wenn man vorab auftrennt, kann man ganz vorbildlich auch schon den Stoff waschen und bügeln, worauf ich bei akuter Nählust meistens verzichte und dann alles etwa schief wird.

        Gefällt 2 Personen

  3. Pingback: Tag 18 – Schwarzer Rock mit rot – Jeden Tag ein Ding Weniger

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