Maximal Leben – minimal Konsumieren

Erhöhtes Gesprächsaufkommen

In letzter Zeit mehren sich die angeregten Unterhaltungen über Minimalismus. Vielleicht geht es euch ähnlich?

Das Verlassen eingespielter Wege und normativ festgelegter Verhaltensmuster führt unweigerlich zu mehr „Gesprächsaufkommen“. Im besten Fall interessiert sich das Umfeld für deine Verwandlung oder deine Ideen, im schlechten Fall wirst du einfach als Spinner in einer schwierigen Phase abgestempelt.

Müsst ihr euch auch so oft erklären?

Erklären warum ihr kein Fleisch oder keinen Käse probieren möchtet, erläutern warum die Wohnung so leer ist, rechtfertigen warum ihr keine Geschenke erhalten möchtet oder selbst verschenkt, darlegen was Konsumverzicht mit Glück zu tun haben soll, erläutern warum du für deinen Besitz ein neues Zuhause suchst …

Warum muss ich mich erklären, wenn ich nicht konsumiere?

Schön ist die Stille nach einem „nichts“, auf die Frage „was hast du so an Weihnachtsgeschenken erhalten?“

Beim Minimalismus geht es doch nicht um die Anzahl der Teile, die wir besitzen. So wie es bei Bio-Lebensmitteln nicht nur um den gesundheitlichen Aspekt geht. Ich bin mir auch sicher, dass viele Menschen im Grunde die Idee dahinter verstehen. Wir können nicht einen Faktor herauslösen und nur diesen betrachten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die einzelnen Aspekte unseres Leben bedingen. Wobei natürlich der eigene Schwerpunkt oder die individuelle Perspektive entscheidend ist. Sicherlich gibt es Menschen, die nur vegan leben, weil sie gelesen haben, dass damit einige Gewicht verloren haben. Oder du kaufst im Supermarkt in Plastik verpacktes Biogemüse aus Übersee, denn du möchtest dich gesund ernähren. Glaubt ihr nicht auch daran, dass sich das alles ändern wird, ändern muss, denn wir werden unweigerlich dazu gezwungen? (Zu viele Utopien gesehen?)

Eine Hinwendung zu mehr Einfachheit, Entschleunigung, Bewusstsein, ökologischerem Leben führt über das Hinterfragen der eigenen Person zum Entrümpeln, Aussortieren und Loslassen.

Es gibt wirklich die Möglichkeit, ohne ein randvoll gefülltes Haus, Cola, Nutella, MC Einheitsessen, Südseezauber, Fernseher und Überfluss glücklich zu sein. Viele Menschen haben aber sicherlich noch nicht begriffen, dass nicht das Einkaufen vom 18. Paar Schuhe und das neueste tragbare Telefon ihr Leben ausmacht. Wie elitär werdet ihr sicher denken, ich schreibe auch am Laptop, nicht mit Morsezeichen. Richtig, ich bin Nutznießerin aller technischen Neuheiten und ich entscheide mich willentlich etwas nicht zu konsumieren. Das ist anders als etwas nicht zu haben, weil es außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegt. Ganze Nationen verändern ihr nachhaltiges oder für uns rückständiges Leben, um genau danach zu streben, was wir hier Wohlstand nennen. Konsumieren bis der Arzt kommt.

Konsumdiät?

Nein, mir fällt es tatsächlich einfacher nicht zu konsumieren. Bei jedem Teil, das ein neues Zuhause findet, freue ich mich wie ein Kind. Leere birgt Raum für Ideen. Der Geist kann sich ausruhen – ohne Ablenkung. Es macht mich definitiv glücklich weniger zu besitzen. Wohin das noch führen mag ist offen. Ich sehe es als Prozess und bin neugierig wohin die Reise geht.

Gedanken, die mir bei diesem Prozess helfen:

  • Sind meine Ziele noch immer die gleichen?
  • Wo sehe ich Potential für mich?
  • Bin ich zufrieden mit mir und meiner Leistung für mich, die Familie, die Arbeit, die Gesellschaft, die Umwelt?
  • Was möchte ich hinterlassen, wenn ich nicht mehr hier bin?
  • Möchte ich Verantwortung übernehmen?
  • Sehe ich einen Sinn in meinem Handeln?
  • Was ist mir der westlich-moderne Lebensstile wert und was opfere ich dafür?
  • Kann ich mich persönlich noch weiterentwickeln und was kostet mich das?
  • Gibt es ein tiefes Bedürfnis in mir (nicht Konsumbedürfnisse, die unsere Gesellschaft pflanzt!) etwas für das ich mich begeistern kann und für das ich gerne aufstehe?
  • Ist mir mein Image wichtiger als meine Zufriedenheit?

Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr eure Fragen anders formuliert. Es freut mich, wenn ihr euch auf einen Gedankenaustausch einlassen möchtet. Auch wenn ich sehr gerne alleine in meinem Kämmerchen vor mich hin brüte, die aktuellen Themen und Herausforderungen werden sich sicher nur in der Gemeinschaft in der Kommunikation und dem konstruktiven Miteinander lösen lassen. In diesem Sinne, frohes Loslassen!

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5 Gedanken zu „Maximal Leben – minimal Konsumieren

  1. Antonia

    Selbst meine Eltern haben dieses Jahr eingesehen, dass ein Geschenk pro Kind an Weihnachten völlig ausreichend ist (nachdem sie zu den vergangenen Festen ertragen mussten, wie das Interesse der Kinder spätestens nach Geschenk 3 erschöpft ist und ihre Präsente kaum noch Beachtung finden). Die Schwiegereltern hingegen sind immer noch gekränkt, dass ich ihnen versuche vorzuschreiben, was und wie viel sie schenken sollen. Schenken ist bei denen irgendwie ein Liebesbeweis und dabei merken sie gar nicht, wie aus der anfänglichen puren Freude, dass die Großeltern zu Besuch kommen, langsam ein: „und was bringt der Opa diesmal mit?“ wird…
    Ansonsten stimme ich dir zu. Umso länger man sich mit diesem ganzen Kram beschäftigt, desto radikaler wird man irgendwie. Weil ja alles zusammen hängt. Bewahrt einen aber nicht vor Fehltritt und auch die darf man dann ruhig mal mit der Umwelt diskutieren. Da kommt oft mehr bei raus als wenn man ständig mit der Moral-Leier nervt.
    Und man muss auch lernen, dass manche Leute den Denkprozess nicht nachvollziehen können und es auch nie werden. Ich diskutiere seit 5 Jahren regelmäßig mit einer Bekannten über gesunde Ernährung, weil sie meint, ich wäre da Expertin. Dabei liegen die Gründe für Bio, Regional und Fair eigentlich kaum in gesundheitlichen Aspekten bei mir. Aber sie kommt gedanklich einfach nicht darüber hinaus, dass das eine dieser super Diät-Strategien ist…#-/

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    1. Esther Autor

      Hallo Antonia,
      danke für deine persönliche Antwort. Mit Anfang 20 war ich „schenksüchtig“. Ich habe Berge an Zeug gebastelt, genäht, gekauft und gebacken… Das habe ich nun überwunden ;) Dementsprechend kenne ich das Gefühl jemanden meine Zuneigung durch materielles Zeug zeigen zu müssen. Ich verschenke weiterhin Zeit. Mit den Neffen ins Kino, Schwimmen, Wandern oder mit den Schwestern Spazieren oder Ballett. Das ist für mich persönlich viel anstrengender und oft auch teurer – und doch bleibt etwas: ein Erlebnis. Gerade wenn man sich nicht so oft sieht, ist das ein schönes Geschenk.
      Ja, ich diskutiere auch viel mit meinem Umfeld, mit manchen auch nicht mehr, die verzichten gerne auf meinen moralischen Zaunpfahl.
      Ich glaube deswegen habe ich diesen Blog begonnen. Um mich mit anderen auszutauschen und mehr Menschen zu treffen, die einen ähnlichen Weg gehen. Das macht mir Hoffnung.
      Bitte unbedingt, gerne den Finger reinbohren, wenn es zu stark nach besserwisserisch-Moralapostel-Blog klingt. ;) Ich bin alles andere als perfekt und das möchte ich auch nicht vermitteln.

      PS.: Meine Kollegen und Chefs freuen sich durchaus wenn ich nicht da bin. Ich habe Mülltrennung eingeführt. Das schmeckt nicht allen.

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