Die Zeit – das kostbarste Gut

Es ist faszinierend.

Ich bin nun in der Hälfte meines Sabbaticals oder genauer im Freizeitausgleich mit Jahresurlaub angekommen und fühle mich unglaublich privilegiert. Es hat wirklich drei Wochen gedauert, bis ich mir Zeit nehmen kann, Zeit einen Film über POC 21 zu sehen, Zeit in anderen Blogs zu stöbern (zum Beispiel hier) oder Zeit diesen Blog zu schreiben.

Bereis am ersten freien Tag lag ich abends vollkommen fertig und unruhig im Bett, weil ich nur einen Bruchteil meiner seitenlangen To Do Liste abgearbeitet hatte, und doch noch so viel unangetastet war, so viele Ideen und Sachen die mir am Herzen lagen – oder einfach nur die Steuererklärung 2014, all das musste in die freie Zeit reingepresst werden. Und die Zeit schwindet einfach nur dahin, ohne mich zu fragen, ohne Rücksicht darauf, dass ich doch nun frei habe.

Neben den To Do’s steht Entspannen und dem gebeutelten Körper und dem erschöpften Geist ‚eine verdiente Pause geben‘ auf meinem inneren Plan. Wie soll ich das nur alles unter einen Hut bekommen? O je – und Sport: Laufen und Kraftübungen. Und jeden Tag Yogaübungen, aber auch noch mindestens 10 Minuten meditieren. Ganz zu schweigen von der Essensumstellung. Ich dachte, ich probiere mal Rohkost aus, wenn ich schon Zeit habe und nicht gestresst einfach irgendwelche weichen Nudeln mit meiner Kollegin essen muss. Rohkost soll so gut tun.

In der ersten Woche saß ich morgens nach der „Bewusstseinsübung“, einem heißen Wasser, dem Lauf im Park, den Yogaübungen und der Meditation mit dem frischen Rohkost-Shake über meinem Arabisch-Buch. Daneben lag Englisch und Italienisch, denn – das war ja klar – wenn ich Zeit habe, wollte ich mich auch wieder mehr mit Sprachen beschäftigen, dazu komme ich ja sonst nicht. Um 12 Uhr genehmigte ich mir eine kleine Pause. Dann traf ich mich mit Freunden, die ich sonst so sträflich vernachlässige, unternahm Krankenbesuche, gab einer Freundin Unterricht im Nähen, las endlich mal wieder in meinen Büchern, experimentierte in der Küche, reinigte den Kühlschrank und Fenster, räumte auf und um und suchte für meinen Besitz ein neues Zuhause. Zum Beispiel verbrachte ich Unmengen an Zeit mit dem Fotografieren, Beschreiben und Einstellen von Habseligkeiten bei Ebay – um am Ende festzustellen, es will keiner haben. Und bei allem was ich tat, war mir klar, das ich andere Sachen nun nicht machen konnte, die Zeit davon fliegt und ich doch viel lieber an meiner beruflichen Zukunftsvision arbeiten sollte, als hier entspannt im Park zu laufen.

Am Abend lag ich wieder vollkommen fertig im Bett, voller Aufregung nicht einschlafen könnend, denn am nächsten Tag hatte ich ja auch wieder so viel Zeit.

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2 Gedanken zu „Die Zeit – das kostbarste Gut

  1. ichbindannmalminimal

    Die Zeit ist das kostbarste Gut, nutze sie also, wenn Du davon gerade einen Überschuss hast. Versuche nicht so viel wie möglich in die freie Zeit zu stopfen, sondern so viel wie möglich freie Zeit zu haben. Klingt einfach, ist es aber nicht, wir sind einfach darauf geeicht nicht nur rumzusitzen. Aber genau das sollten wir alle wieder erlernen, wirklich nichts tun oder wenn, dann nur wirklich eine Sache.

    Nimm Dir ein Mal am Tag Zeit für Sachen, die Du eh wie selbstverständlich machst. Trinke eine Tasse Tee, nichts anderes, nur Tee trinken. Keine Beschallung, kein Fernsehen, nur Tee. Oder in Ruhe nur Dein Essen zu Dir nehmen, nichts weiter. Dabei wirst Du Dein Trinken, Dein Essen, was auch immer sehr viel intensiver wahrnehmen als je zuvor. So nutzt Du die Zeit, bleibst aber dabei ganz entspannt und ruhig, so dass so etwas wie Stress erst gar nicht aufkommen kann.

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  2. Esther Autor

    Ja, das ist auch mein Weg. besitze seit Jahren schon kein TV oder Radio mehr. Das haben viele verlernt, wie du richtig sagst, einfach nur bei der Sache bleiben. Wenn ich mich richtig erinnere, dann empfehlt der Dalai Lama das auch. Bewusst nur eine Sache machen.
    In diesem Sinne, komm bewusst ins neue Jahr, und das auch noch mit weniger Zeug ;)

    Esther

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