plastikfrei – verpackungsfrei Einkaufen

Heute möchte ich euch ein paar gesammelte Tipps zum plastik- und verpackungsfreien Einkaufen auflisten.

Meine Geschichte:

Vor einigen Monaten haben Mark und ich uns entschieden, den Schritt von einem recht ökologischen Einkaufen zu einem komplett plastikfreien Einkaufen zu wagen. Wir haben es als „Projekt“ bezeichnet, damit sich die Menschen in unserem Umfeld nicht noch mehr Sorgen machen. Es ist durchaus anstrengend und unangenehm für die Mitmenschen. Denn eine Person im Umfeld, die einem mit jedem Atemzug die moralische Keule vor den Augen hin und her wedelt, stresst. Die Realität lässt sich schlechter verdrängen. Das ist alles zu ökologisch, zu vegetarisch, kein Konsum, einfacher leben, Radfahren, kein Auto, kein Fernseher, keine Geschenke, Verzicht auf Tierprodukte…

Wir wollten uns auch selbst ein wenig Leichtigkeit verordnen und daher „PROJEKT plastikfrei leben“. Und was soll ich sagen, nachdem wir unsere Läden gefunden hatten, Beutel genäht und Gläser in der richtigen Größe fanden, war es nur eine Frage der Organisation. Es gibt natürlich nicht alle Lebensmittel und Haushaltsmittel, die vorher zur Verfügung standen, denn die Auswahl ist bislang noch nicht so groß. (Knuspermüsli fehlt Mark)  Daher steht nun das Improvisieren, Experimentieren und beleben alter Traditionen im Vordergrund. Wir hinterfragen – was wir wirklich brauchen – und was uns vielleicht nur eingeredet wurde brauchen zu müssen. Es fühlt sich wesentlich selbstbestimmter, natürlicher und freier an.

Hintergrund:  

Wir verbrauchen 1 Billion Plastiktüten jährlich! Und die haben wir dann noch ca. 300 bis 400 Jahre im Meer liegen. Nur Plastiktüten, da ist noch keine einzige Umverpackung aus dem Regal dabei. Warum ist das so schlimm? Wir vergiften nicht nur das Meer, sondern auch uns. Wir leben in einem geschlossenen System in einem Kreislauf. Was passiert, wenn wir daran drehen, spüren wir gerade sehr gut. Ich war heute am 25.12. wie fast jeden Tag im Dezember im T-Shirt joggen – und es war mir noch zu warm.

Tipps:

  • Ihr benötigt eine kleine Grundausstattung aus ein paar Stoffbeutel in unterschiedlichen Größen, einige Gefäße wie alte Einmachgläser, Honiggläser, Gurkengläser, die Tupperware von der Oma, denn alles wieder Neukaufen verbraucht ja auch Ressourcen (und die Tupperware hält sich sicherlich noch 350 Jahre – wenn euch das BPA nicht stört)
  • Spontan Shoppen ist schwierig, da es wirklich fast nix ohne Verpackung gibt.
  • Immer ein Gefäß und einen Stoff-Einkaufsbeutel in der Handtasche / Rucksack dabei haben. 
  • Vorher muss klar sein: Was brauche ich wirklich? Was möchte ich?
  • Den Laden oder Wochenmarkt eurer Wahl finden. (Ich weiß, es gibt nicht in allen Städten die große Auswahl an verpackungsfreien Märken. Zeigt euer Interesse, fragt im Laden nach, wenn die Nachfrage steigt, dann gehen die Märkte oft mit. Denn schließlich wittern sie dahinter Profit.)
  • Falls es bei euch keinen Laden gibt, euch das alles zu viel ist, dann hilft auch schon das umsichtige Einkaufen im Supermarkt: Stoffbeutel statt Plastiktüten, nicht jedes Gemüse muss in eine extra Plastiktüte, wählt Produkte mit weniger Umverpackung.
  • Lasst euch an der Theke auf ein Gespräch ein, es gibt Läden, in denen wird der Käse oder das Fleisch (kenne ich nur vom Hörensagen) in mitgebrachte Gefäße gefüllt. Am Wochenmarkt haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Tengelmann oder REWE verhindern die Gesundheitsvorschriften ein verpackungsfreies Einkaufen. Und beim Discounter gibt es ja keine Lebensmittel ohne Verpackung. Hier trägt selbst die Gurke noch eine Plastikhaut.

Vorurteile: 

Einkaufen ohne Verpackungen…

  • ist anstrengendMit dem Auto zum Supermarkt fahren, Parkplatz suchen, Einkaufswagen finden, Lebensmittel in bunten beschichteten Kartons oder Plastikhüllen aus dem Regal nehmen, nachdem die Entscheidung zwischen 13 verschiedenen Geschmacksrichtungen gefallen ist, alles aufs Band legen, bezahlen, in eine Plastiktüte packen, zum Auto tragen, Einkaufswagen abstellen, ausparken, heimfahren, Essen in die Bude tragen, alles aus der Plastiktüte nehmen, aus der Plastikverpackung nehmen oder direkt so in den Kühlschrank räumen. Plastikverpackungen, Dosen, Alu, Karton, Papier, Glas, Biomüll trennen und in verschiedenen Eimern in den Hof zum Müll bringen oder zur gelben Tonne und sortieren… „normales“ Einkaufen macht so viel mehr Spaß. 
  • kostet viel ZeitDas Abfüllen und Wiegen dauert länger als das Greifen einer abgepackten Portion. Allerdings sparst du dir die Zeit beim Entsorgen deiner Müllberge.
  • ist viel teurer. Lose Bioprodukte sind teurer. JA. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Wenn wir die externen Kosten für die Verschmutzung, Energieverschwendung, Reinigung des Trinkwassers, Gesundheitsschäden, die Vernichtung und das Artensterben durch herkömmliche Anbaumethoden auf die Nahrungsmittel aufschlagen, dann wird BIO und unverpackt günstiger werden.
  • bringt nichts, weil ich ja nicht alleine auf der Welt bin. (Bei sieben Milliarden Menschen wird es immer wichtiger, dass jeder Einzelne Verantwortung übernimmt. Schneeballsystem: vielleicht inspirierst du wiederum deinen Nachbarn, deine Kollegin, deine Familie.)
  • bietet keine Auswahl. Wenn du darauf bestehst auch hier deine eingeschweißten Fertiggerichte zu finden, dann JA. Wenn du offen bist für Alternativen zu deinem bisherigen Speiseplan, dann NEIN. Ich benötige nicht 10.000 Produkte zur Auswahl, du?
  • nur Reiche können sich unverpackte Bioprodukte leisen. Warum denken wir eigentlich, dass Essen so billig sein muss? Warum ist uns ein I phone 17 wichtiger als das Frühstück? Warum halten wir es für normaler ein BIG MAC MENÜ mit leeren Kalorien und Fett in Plastikverpackung zu essen als für eine regionale Kartoffel? Warum denken wir, es ist normal täglich Fleisch, Fisch und Käse zu essen? Essen ist uns nichts mehr WERT.
  • ist zu öko. Ja, und deine Kinder und Enkelkinder werden sich sicherlich dafür bedanken.

mir bekannte Geschäfte: 

  • Plastikfreiezone, München Haidhausen schöner kleiner Laden, bring etwas Zeit mit, es lohnt sich! Hier gibt es eben auch keine Plastikschütten oder bulk bins aus Plastik!
  • Ohne, München Schwabing (mit Glas Bulk!)
  • Stemmerhof, München Sendling (hier kannst ca. 15 Sorten an Haferflocken, Pasta, Nüsse, Linsen etc. aus sogenannten Bulk Bins (aus Plastik!) abfüllen. Und auch bei einem Berg an losen Früchten und Gemüse bekommst du hier keinen dummen Kommentar, sonder sie machen einfach eine zweite Kasse auf! Danke!)
  • Unverpackt Passau, Passau
  • regional und unverpackt, Schwäbisch Gmünd
  • Unverpackt Trier, Trier (toll! ich komme von der Mosel, das freut mich sehr!)
  • Mass Greisslerei, Wien
  • Tante LeMi, Schwäbisch Gmünd

Schaut auch mal bei Manuela rein, sie hat auch eine Liste mit entsprechenden Läden. Das schöne, wir werden immer mehr. Es gibt einige Geschäfte, die sich gerade im Aufbau befinden – noch mit dem  Crowdfunding beschäftigt sind oder eine Location suchen. Lasst uns die Liste vervollständigen! Ich freu mich. Danke an Jenni und Tanja für das Addieren der Liste!

Advertisements

6 Gedanken zu „plastikfrei – verpackungsfrei Einkaufen

  1. Grünzeug

    Tolle Tipps hast du hier zusammengetragen!
    Plastikfreies Einkaufen reizt mich sehr – aktuell versuche ich ebenfalls, unseren Plastikkonsum zu verringern. Mit sichtbarem Erfolg: Ein gelber Sack reicht bei uns mittlerweile sehr, sehr lange. :)

    Ich habe noch einen Link für deine Sammlung: In Münster gibt es noch einen zweiten unverpackt-Laden, der sich selbst als „Supermarkt“ bezeichnet und ebenfalls empfehlenswert ist: http://www.einzelhandel.ms/

    Liebe Grüße!
    Jenni

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Esther Autor

      Hallo Jenni,
      danke für die Blumen! und für die Ergänzung!
      Ich nehme den Link gleich rein.
      Ich finde, wenn sich das Einkaufen eingespielt hat und klar ist wo du deine Produkte findest, dann ist Einkaufen ohne Plastik sehr entspannt und bereichernd. Ist dir schon mal aufgefallen, wie viele „schlechte“ Lebensmittel, Snacks, Süßigkeiten, Getränke und Tand aus Asien dann einfach nicht gekauft werden können. :) Perfekt, nicht nur für die Umwelt auch für den Geldbeutel, die Zähne und die Figur :)
      Einen schönen Abend, Esther

      Gefällt 1 Person

      Antwort
      1. Grünzeug

        Ja, das stimmt – das ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil beim verpackungsfreien Einkaufen. Und: Man hat gleich ein viel besseres Gefühl, wenn nicht gefühlt 50% des Einkaufs aus nicht abbaubarer Verpackung besteht. :)

        Liebe Grüße!
        Jenni

        Gefällt mir

  2. Pingback: noch eine Woche warten, dann ist “Ohne” da. Besser als Weihnachten! | the green transition

  3. Tanja

    Hallo Esther,

    Ich habe mich sehr gefreut, deine Seite gefunden zu haben, viele Inspirationen für mich!

    Hergeführt hat mich das Stichwort verpackungsfrei, und da hätte ich noch Links zu Übersichten der Unverpackt-Läden für dich. Du hast ja schon einige eingefügt, und inzwischen hat sich einiges getan.

    Weitere Läden
    https://utopia.de/ratgeber/plastikfreie-laeden/
    http://www.einfachzerowasteleben.de/zero-waste-alltag.html
    http://wastelandrebel.com/de/liste-unverpackt-laeden/

    Viel Erfolg auf eurem Weg!

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s