Minimalismus – Konsumieren

Die Feiertage sind einfach eine herrliche Zeit, um mal wieder so richtig Ordnung zu schaffen. Findest du nicht?

Ich liebe das befreiende Gefühl sich von Besitz zu trennen, Ordnung zu schaffen, weniger zu haben. Natürlich ist das ein sehr elitäres Vergnügen. Ich behaupte: Nur der Reiche, vom Überfluss gesättigte Mensch, kann im „Wenigerbesitzen“ eine Bereicherung seines Lebens empfinden. Ich vermute von den 7 Milliarden Menschen auf diesem kleinen Planeten möchten 95% reicher sein, mehr Komfort, mehr Luxus, mehr Lebensqualität, mehr Gesundheit, mehr Chancen, mehr Teilhabe am „American Way of Life“.

In den Medien gibt es nur eine Botschaft: Konsumieren! Mehr Lebensqualität durch unzählige Produkte, schönere Haare mit X-Shampoos, jede Saison das trendigste Outfit, ein neues Handy mit noch mehr Funktionen, ein schnelleres und zugleich ökologischeres Auto (so breit, dass es nicht mehr durch die engen Gassen passt, mit Allrad, weil das in der Stadt und auf der Autobahn – besonders im Stau – ganz wichtig ist) mehr, schneller, besser, billiger, geschmackvoller, gesünder, geiler…

An der Anzahl der Bücher im Schrank erkennt man die Belesenheit des Besitzers – oder nicht? Ich hielt heute einen Wollstoff in der Hand. Den besitze ich schon seit fast 20 Jahren und in all der Zeit ist mir nichts eingefallen, was ich daraus hätte nähen wollen. Ich besitze (jetzt besaß :)) Geschirr, Bücher, CD’s, DVD’s, Klamotten, die ich noch nie benutzt, gelesen, angeschaut oder getragen habe. All diese Dinge machen mein Leben ja so viel bequemer – reicher – schöner!? Denn – wenn ich wollte, dann könnte ich mir eine DVD ansehen. Meistens bin ich vom Arbeiten für diesen Reichtum so müde, dass ich keine Energie habe eine neue DVD anzuschauen. Ist uns die Verfügbarkeit so viel wert? Was sagt mir das als Konsument, als verantwortungsvoller und nachdenklicher Mensch?

Schlaue Studien besagen, dass wir durch einem bestimmten Wohlstand, der über die Grundbedürfnisse geht, einen Zuwachs an Lebensqualität empfinden. Über diesen Punkt hinaus, bringt der exzessive Konsum und das Mehren von Besitz keine Verbesserung. Ich habe das Gefühl, wir alle haben vielleicht verlernt, wo dieser Punkt liegt. Jeder von uns hat eine andere Geschichte und abweichende Bedürfnisse. Somit müssen wir alle selbst entscheiden, wir viel den eigentlich genug ist und wie viel dann schnell zu viel ist.

Vielleicht sollten wir das Paretoprinzip – besser bekannt als 80 – zu 20 Regel auch auf unseren Konsum anwenden. Das könnte bedeuten, dass wir mit 20% unseres Kaufvolumens eine 80%-ige Sättigung erreichen. Für die verbleibenden 20% müssten wir hingegen 80% mehr an Arbeitskraft, an Geldwerten, an Verschmutzung, an Ressourcen, an Masse in Kauf nehmen.

Hört sich alles zu theoretisch an? Wie geht es dir damit? Ich freue mich über einen regen Austausch!

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2 Gedanken zu „Minimalismus – Konsumieren

  1. Mark-A.

    Hallo Esther,
    es kann einen schon nachdenklich machen, wenn man selber nicht mehr den Überblick über all das hat, was man besitzt. Leider, scheint es, muss man diesen Gipfel wohl erst erreichen, um dann den Sieb hinzuhalten oder im eigenen Reich die Spreu vom Weizen zu trennen. Vielleicht lernt das eine baldige Generation, zum Beispiel im Westen, alles mal anders.
    Du schreibst, dass in den Medien nur der Ruf nach Konsum existiere. Ich würde sagen, dass gerade in den Medien auch der Ruf nach einem Umdenken durchaus auch gehört werden kann, eher die Politik und die Wirtschaft tut sich damit rar.
    Erst kürzlich bin ich auf einen Artikel gestoßen, der sehr lesenswert ist – und er stammt aus dem Jahr 2011:
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36743/
    In ihm fällt der Begriff „Gegenwartsegoismus“. „Vorausschauender Leben und Wirtschaften“ wäre doch ein schönes Schlagwort, dass vermehrt in Bildung und Politik Einzug halten könnte.
    Besten Gruß, Mark

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    Antwort
    1. Esther Autor

      Hallo Mark.
      Vielen Dank für diesen unglaublich guten Artikel von Harald Welzer! »Unterm Strich zähl ich.« wie treffend. Ich kenne einige Interviews mit ihm. Dieser Artikel war mir neu.
      Ich fand mich selbst in einigen Ausführungen wider. Das ist schrecklich. Jedoch habe ich auch die leise Hoffnung, dass es mehr Menschen geben könnte, die sich von all dem verabschieden werden. Es gibt genügend Beispiele, Menschen die sich verändern, ich selbst habe mich verändert. Und in mir schreit es weiterhin sehr laut nach mehr Natürlichkeit, mehr Einfachheit, mehr – hier ist es wieder „mehr“ :(
      „Wir hoffen nach wie vor, dass man nur ein paar Stellschrauben nachjustieren muss, um die negativen Umweltfolgen des Wirtschaftswachstums zu mindern. Ansonsten soll aber bitte alles so bleiben, wie es ist.“ – Ich frage mich, bin ich nicht eigentlich auch so?
      Danke, das regt zum Nachdenken an – Esther

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