Wie ökologisch muss VEGAN sein?

Ökologie und Veganismus – das gehört doch zusammen – oder?

Gestern habe ich meiner großen Schwester das Einkaufen eines Attila Hildmann Kochbuchs ausgeredet. Ausgeredet ist vielleicht auch zu wortgewaltig. Ich habe lediglich meine Fragen zu A. H. Art zu kochen formuliert. Ich lebe selbst zu 98% vegan. Allerdings versuche ich Veganismus nicht zum Religionsersatz zu machen (meine Freunde sehen das sicher anders) – und ein Veganer, der seinen Stil wie eine gute Lederjacke trägt und sich keine Gedanken über die Art und Weise der Herstellung macht – ist der jetzt moralisch besser als ein Fleischesser? Zu extrem?

Heißt vegan nicht auch: mehr Gerechtigkeit, gegen Verschwendung, mehr Natürlichkeit, größere Nachhaltigkeit, mehr Verantwortung. Warum geht mir die vermeintliche Tierliebe über die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen? Ein Kochbuch, dass zu gefühlten 80 % mit Lebensmitteln aus Übersee und Entwicklungsländern arbeitet, kann doch nur von Menschen genutzt werden, die nicht weiter denken als ihr eigener Magen, ihre Gesundheit und ihr Image. Ich würde auch gerne unbeschwert jeden Tag Zitrusfrüchte, Bananen, Kokosnüsse, Cashewnüsse, Avocado, Mangos, Kokosöl, Palmöl … verzehren. Aber woher kommt das alles? Wie wird es angebaut? Von Wem? Und dann fliegt und fährt es einmal um die halbe Welt, um dann im Biosupermarkt in buntem Plastik verpackt an Kunden verkauft zu werden, die mit dem SUV oder ihrem Porsche in Lederausstattung vorfahren? Zu extrem? 

„Superfruits“!

Goji Beeren werden in China und der Mongolei geerntet. Chia Samen kommen vorwiegend aus Paraguay, Bolivien, Mexiko – nun auch aus China, Australien oder Indien. Acai Beeren reisen aus Brasilien an. Acerola Beeren nehmen den Überseetransport aus Mexiko, Panama, Brasilien, Guatemala, Jamaika – fällt irgendwas auf? Wie viel CO2 ist uns eine gesunde Ernährung wert? Ja, aber wir sparen doch schon so viel ein, weil wir kein Fleisch und keine Milchprodukte essen. („weil ich vegan lebe, kann ich so viele Flugreisen machen, wie ich möchte“) Zu extrem?

Zudem sind die meisten Zutaten so teuer, dass sich nur eine bestimmte Schicht auch diese Lebensmittel leisten kann. Schaut mal drauf in wie vielen veganen Produkten Palmöl ist. Es gibt zum Beispiel keine vegane Margarine in der kein Palmöl ist. Wie die Sachen verpackt sind? Buntes Plastik so weit das Auge reicht. 

Was ist aus der grünen Idee geworden? Lifestyle Veganismus für eine begrenzte Gruppe, wenn das nicht extrem ist, dann weiß ich auch nicht.

Wie wäre es mit einem frischem Gericht aus saisonalem und regionalem Gemüse?

 

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5 Gedanken zu „Wie ökologisch muss VEGAN sein?

  1. Mark-A.

    Hallo Esther,
    erstmal Gratulation zu dieser schönen und ideenreichen Seite. Ich bin beeindruckt. :-)
    Einen ganzheitlichen Ansatz, denke ich, haben nicht viele. Manche verbessern ihren „ökologischen Fußabdruck“, ohne vielleicht bewusst über diesen Begriff nachzudenken, in Sachen Ernährung, aber nicht in der Fortbewegung. Wenn man nämlich den ökologischen Fußabdruck minimieren möchte, wird es eine komplexe Angelegenheit. Dann muss man sich nämlich wirklich Gedanken machen und womöglich einiges im Leben umstellen, was vielleicht zuvor einfach und angenehm gewesen ist.
    Was die Ernährung anbelangt: regional tut es auch. Es muss nicht alles aus der großen weiten Welt in den eigenen Haushalt kommen. Letztendlich, wenn sich jemand darüber Gedanken macht, muss der- oder diejenige seinen bzw. ihren eigenen Weg finden. Ich stimme zu, dass eine Rechtfertigung für ausgiebiges Reisen der Verzicht auf Fleisch ein Argument mit Schlagseite ist.
    In dem Sinne bin ich gespannt, was ich hier noch alles lesen werde!
    Beste Gruß, Mark

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  2. Grünzeug

    Hallo Esther!

    Ich habe gerade deinen Blog gefunden und bin gleich bei deiner About-Seite mit den Augen am Bildschirm kleben geblieben. Du hast einen tollen Schreibstil, der einen wirklich jedes Wort lesen lässt – keine Selbstverständlichkeit am PC. Das wollte ich zunächst einmal gesagt haben. :)

    Zum Artikel:
    Ich muss gestehen, dass ich persönlich einen Lebensstil lebe, der sich in der Mitte der beiden Pole „Superfood“ und „100% regional“ bewegt.
    Ich beziehe beispielsweise eine Gemüsekiste (kennst du ETEPETETE?), die zu 100% Biogemüse liefert, das ansonsten verfeuert worden wäre. Anderes Gemüse kaufe ich nicht. Beim Obst sieht das allerdings etwas anders aus: Ich kaufe bevorzugt saisonale Produkte, kann aber auch schwer an Bananen vorbeigehen.
    Auch Superfoods wie Chia und Aronia-Beeren liebe ich, muss ich gestehen. Daher habe ich sie immer im Haus – verwende sie allerdings sparsam, da sie zum einen relativ teuer sind und ich zum anderen trotz des Konsums auch immer den von dir erwähnten ökologischen Fußabdruck im Hinterkopf habe. Allerdings gibt es ja auch heimische „Superfoods“ – Ingwer landet zum Beispiel häufig auf meinem Teller. (Oder in meinem Tee. Oder im Gebäck.)

    Ich versuche, so gut wie möglich darauf zu achten, was ich kaufe, bin allerdings auch vor Schwächen nicht gefeit. :)

    Liebe Grüße
    Jenni

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    1. Esther Autor

      Hallo Jenni,
      herzlichen Dank für deine sehr positiven Zeilen.
      Das freut mich sehr. Du kennst das ja sicherlich, so alleine im Kämmerlein da hat man viele Ideen und Gedanken, doch ob das draußen im WWW einen anderen interessiert, ist nicht so klar. Ich werde mir gleich mal deine Seite ansehen.
      Ja, ich kenne die Etepetete Kiste. Eine Freundin bezieht sie regelmäßig. Ich konnte mich mit dem Konzept Lieferung noch nicht richtig anfreunden. Wir probieren ab dem kommenden Jahr das http://www.kartoffelkombinat.de/blog aus. Obwohl mein Herz nach einem eigenen Garten schreit :)
      Ich finde es durchaus auch schwierig, immer den geraden Weg zu gehen. Ich habe Jahrelang keine Zitrusfrüchte gegessen. Kam quasi direkt nach Fastfood – aber mittlerweile gönne ich mir auch schon mal etwas. Versuche das wie du schreibst – bewusst zu konsumieren. Ich finde es muss jeder auch für sich das richtige Maß finden. Mich stört nur dieses Nichthinterfragen und einfach anstatt Fleisch, industriell gefertigte Tofu- und Mais-Produkte im Plastikbeutel zu kaufen. Mir ist auch klar, dass wir eine kleine Minderheit auf dieser Erde sind, die sich mit diesen erste Welt Problemen beschäftigt. Dennoch möchte ich nicht in 30 Jahren denken, hätte ich doch mal was gesagt oder anders gehandelt.
      In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf virtuellen Austausch. :)
      Alles Gute Esther

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      Antwort
      1. Grünzeug

        Hallo Esther!

        Ja, das Gefühl kenne ich gut – aber ich werde auch regelmäßig positiv von den ganzen Resonanzen überrascht. Irgendwie scheint es ja doch einige Menschen zu interessieren, was wir schreiben. Und da mache ich optimistisch ein gewisses Grundinteresse am grünen und nachhaltigen Lebensstil für verantwortlich. :)

        Stimmt – der Lieferzeitraum ist für viele ein Problem. Ich habe glücklicherweise an dem Tag frei und kann die Box dann annehmen. Warum das so strikt eingetaktet ist, ist mir auch nicht ganz klar. Flexiblere Zeiten wären mit Sicherheit für beide Seiten vorteilhafter.

        Ich finde es beruhigend, zu lesen, dass das mit dem nicht ganz so geraden Weg nicht nur mir so geht. Ich finde, wenn man auf größtenteils regionale und saisonale Produkte zurückgreift, wenig bis gar kein abgepacktes Fertigzeug konsumiert und vieles selbst herstellt, ist man sowohl ökologisch als auch ethisch schon einen großen Schritt weiter. Und ich finde auch, wenn sich nur einer oder eine mehr mit dieser Thematik auseinandersetzt, ist schon viel gewonnen. :)

        Daher teile ich deine Ansicht vollkommen – lieber jetzt handeln und gegen den Strom schwimmen als tatenlos zusehen und sich später Selbstvorwürfe machen (oder schlimmer: die Vorwürfe der Kinder und Enkel anhören müssen!).

        Die Vorfreude auf regen Gedankenaustausch liegt ganz auf meiner Seite! :)

        Liebe Grüße
        Jenni

        Gefällt 1 Person

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